Weiter Richtung Süden

Die folgende Tour hat eine etwas längere Vorgeschichte. Bereits 2015, als ich dabei war, die damalige Marokko-Reise vorzubereiten, bin ich auf dieses Ziel gestoßen. Auf der Webseite der Pistenkuh wurde über einen Wasserfall in der Westsahara berichtet. Das reichte schon um mein Interesse zu wecken. Schnell hatte ich das Ziel in Google Maps gefunden und auch ein paar GPS-Tracks in Wikiloc, von Leuten die dort schon gewesen waren.

Leider hatte es 2015 aus verschiedenen Gründen nicht geklappt. Bei der nächsten Reise 2016 hatten wir nur drei Wochen und wollten die beiden Sandkästen (Erg Chebbi und Chigaga) abfahren. Damit war ein Ziel, welches soweit südlich liegt ausgeschlossen.

Als ich mit der Planung unsere diesjährigen Tour begann, kam mir wieder dieser Wasserfall in den Sinn. Im Herbst gab es von der Pistenkuh nochmal einen Beitrag zu diesem Ziel. Jetzt musste es einfach klappen.

Aufgrund unserer begrenzten Zeit war mir klar, dass wir die Strecke vom Atlantik aus angehen sollten. Von dort in einer Schleife zum Wasserfall und wieder zurück zur Nationalstraße. So wären es von Tan-Tan aus nur ca. 150km Richtung Süden. Das sollte in 2-3 Tagen machbar sein und ließ sich somit auch gut in einen dreiwöchigen Urlaub einplanen.

Kleiner Sprung in die Gegenwart: es ist der 14.3. und nachdem mir über drei Jahre lang dieses Ziel im Kopf rumgespukt ist, soll es heute endlich losgehen. Zwei GPS-Tracks aus Wikiloc sind dabei, die beide nicht zu alt sind. Trotzdem ist natürlich einiges unklar, wenn eine Strecke zum ersten Mal gefahren wird. Zuhause hatte ich gesehen, dass wir wohl zweimal auf ein Plateau rauf fahren müssen. Es wird spannend. Genau solche Touren bereiten mir persönlich den größten Spaß.

Bevor es spaßig wird, müssen wir aber noch ein paar Kilometer Asphalt schrubben und als erstes von unserem Lagerplatz am Draa zurück auf die Nationalstrasse kommen. Dafür wählen wir nicht die Engstelle von gestern, sondern fahren direkt über gut sichtbare Pisten Richtung Tan-Tan Flughafen.

Das erste erwähnenswerte Ziel ist das „Trou du Diable“, das Teufelsloch. Ein Pflichtstopp, da die Nationalstraße direkt daran vorbei führt. Hier hat der Atlantik ganze Arbeit geleistet und mit Hilfe der Brandung eine größere Höhle in den Felsen gegraben. Irgendwann ist diese dann eingestürzt und zurück geblieben ist das Loch des Teufels, mit Zugang zum Atlantik.

Kurz danach geht es durch Akhfennir, der Ort ist nicht weiter erwähnenswert. Im Notfall findet sich hier allerdings die eine oder andere Werkstatt, die wir hoffentlich nicht benötigen werden.

Am Horizont taucht hinter Akhfennir der „Khnifiss Nationalpark“ auf. Als erstes sind die wirklich imposanten Dünen zu sehen. Näher kommen wir erstmal nicht ran, denn wir biegen von der Nationalstraße ab und fahren Richtung Plateau. Von der Küstenstraße aus gesehen, wirkt alles was im Landesinneren liegt etwas öde, hat eher die Optik der Mondoberfläche. Wir werden die nächsten zwei Tage sehe, ob das wirklich so öde ist, wie es aus der Ferne wirkt.

Zuerst müssen wir den ersten Aufstieg auf das Plateau finden. Das ist dann doch einfacher als ich gedacht hatte. Von oben ein erster Blick Richtung Atlantik und wir sind das erste Mal überrascht, dass das alles andere als öde ist. Eine Gewisse Zuneigung zu Wüstenlandschaften ist natürlich Voraussetzung.

Ab hier wird die Navigation etwas komplizierter. Es finden sich einige Spuren von anderen Fahrzeugen, die kreuz und quer durch die Landschaft verlaufen. Nichts wo man sich wirklich dran orientieren kann. Die vorab besorgten GPS-Tracks sind jetzt wirklich hilfreich, nur mit den Koordinaten des Wasserfalls würde es schwierig werden, den richtigen Weg zu finden.

Einige Zeit später zeigt sich am Horizont ein längerer Zaun und daneben zwei Gebäude. Dieses Gelände war mir bei der Recherche vorab gar nicht aufgefallen. Ein militärisches Areal oder doch was anderes? Im Kopf läuft bei mir sofort ein Kinofilm ab, dass jetzt gleich jemand in Uniform vor uns steht und uns wieder zurück schickt. Als wir näher kommen, ist das alles Quatsch, denn die Gebäude sind verlassen. Es ist ein Auswilderungsprojekt für Strauße und Wüstenantilopen. Ob das Projekt erfolgreich war, lässt sich für uns nicht ermitteln. Zumindest haben wir entlang des Zauns für einige Kilometer eine gute Orientierung.

Kurz vor 18 Uhr suchen wir uns einen Übernachtungsplatz. Im Dunkeln wollen wir hier oben nicht weiter fahren und ich hatte gelesen, dass es in der Umgebung des Wasserfalls von kleinen Sandfliegen nur so wimmelt. Kein Ort, an dem man übernachten möchte. Wir finden sogar einen schönen ebenen Platz, mit Aussicht und Zuschauern.

Morgen geht es dann weiter bis zu unserem Ziel und von dort vermutlich wieder zurück zur Küste. Mehr davon dann im nächsten Bericht.