Übernachtung am Cap Draa

Jetzt stehe ich zum dritten Mal am Cap Draa – es ist kein beeindruckendes Ziel, trotzdem ein schöner Moment wenn man dem Draa zusieht, wie er im Atlantik verschwindet. Wir folgen ihm jetzt seit fast einer Woche. Das erste Mal bekommen wir ihn südlich von Ouarzazate zu Gesicht. Kurz vor Mhamid versickert er im Wüstensand und wird zum Oued oder Trockenfluss. Leider ist es nicht möglich, dem Oued vollständig zu folgen, da es teilweise durch Algerien führt. Südlich von Assa konnten wir gestern dann wieder in das deutlich sichtbare Tal des Draa abbiegen.

Im Moment bin ich erst mal nur etwas verwundert, dass sich hier alles verändert hat. Irgendwas wird hier gebaut. Ein Hotel, ein Campingplatz, eine Strandpromenade? Aktuell ist nur ein großer Parkplatz vorhanden und Teile der neuen Strandpromenade. Vor drei Jahren war es noch möglich gewesen, zum Strand runter zu fahren. Das war eigentlich meine Idee gewesen, um dort unten nach einem Übernachtungsplatz zu suchen. Geht jetzt nicht mehr, vielleicht aber auch nicht schlecht, denn das Wetter ist doch etwas kühl und wir wünschen uns für die Nacht etwas Schutz vor dem Wind.

Heute Vormittag, als wir aufbrachen, sah das Wetter noch deutlich freundlicher aus. Leider hab ich mal wieder den richtigen Zeitpunkt vor dem Sonnenaufgang verpasst um schöne Fotos zu machen. Zum Glück ist auf Michael Verlass, so dass ich euch diese tollen Fotos von oberhalb unseres Platzes zeigen kann. Ist es hier nicht traumhaft?

Bevor wir wieder zurück in die Zivilisation kommen, dürfen wir noch ein paar lustige Offroad-Passagen fahren, geformt von der Natur. An einigen Stellen führt der Draa auch schon wieder Wasser, bzw. sind kleinere Tümpel übrig geblieben. Vermutlich von den letzten Regenfällen im Winter.

Ein paar Stunden später stehen wir dann bereits am Eingangs des erwähnten Cap Draas und sind am überlegen, wo wir jetzt vor Sonnenuntergang noch einen Platz für die Übernachtung finden. Dazu muss man wissen, dass es rund um Tan-Tan einfach keine Campingplätze gibt, die meiner Meinung nach diesen Namen verdienen. Davon abgesehen steht uns momentan sowieso eher der Sinn nach einem freien Übernachtungsplatz.

Zum Glück sehe ich auf der Karte ein paar Kilometer zurück eine Piste, die anscheinend direkt zum Draa runter führt. Es gibt zwar eine Stelle, an der die Piste unterbrochen ist, aber das muss in der Realität nicht genauso sein. Hinfahren und anschauen kann nicht schaden und evtl. ergibt sich auch ein schöner Übernachtungsplatz.

In der Tat führt uns die neu geschobene Piste direkt zum Fluss runter. Nicht ganz einfach zu finden, denn ohne den Hinweis auf der Karte wäre ich niemals auf die Idee gekommen, einfach von der Straße ab und querfeldein auf die Abbruchkante des Plateaus zuzufahren.

Unten angekommen, müssen wir erstmal ein Stück Überflutungsgebiet überfahren, welches zum Glück gerade trocken ist. Kurz danach sind aber wieder deutlich sichtbare Spuren zu sehen, hier fahren anscheinend häufiger Autos entlang, somit sollte das auch für uns passen.

Ich bin also guter Dinge, dass das eine tolle Idee war, hier runter zu fahren, bis das Tal einen kleinen Knick macht und plötzlich hinter einer Ecke kein Platz mehr für die Fahrzeugspur war, der wir folgen. Vielleicht war dort mal genügend Platz vorhanden, jetzt ist aber nur noch die Hälfte der Spur vorhanden. Die zweite Hälfte zum Fluss runter wurde mit Steinen aufgefüllt. Zu allem Überfluss ragt in der Mitte auch noch ein großer Felsbrocken rein. Könnte also eng werden, sieht aber machbar aus.

Hier brauche ich auf jeden Fall eine Einweisung von außen. Zum Glück für die Anderen ist der Patrol das breiteste Autos der Gruppe. Wenn es für mich langt, dann reicht es auch für alle anderen. So lotst mich Karo dann ohne größere Probleme durch die Engstelle, die wirklich eng war und an der ich ohne Einweiser vermutlich zu weit außen gefahren wäre. Ob dort dann die Steinkonstruktion gehalten hätte, möchte ich nicht ausprobieren.
Moment – ohne größere Probleme? Naja fast – nachdem wir beide der Meinung waren, dass das Schwierigste überstanden ist, hat Karo Fotos gemacht und ich bin mit dem Vorderrad von der Piste abgerutscht. Kurzer Schreckmoment, aber zum Glück kein wirkliches Problem. Einmal zurücksetzen und die Linie weiter innen wählen. Auf jeden Fall wissen wir jetzt für die beiden anderen Fahrzeuge, dass man bis zum Schluss aufpassen sollte. Wie erwartet war die Durchfahrt dann auch problemlos machbar. Man muss halt vorsichtig sein, langsam fahren und dem Einweiser vertrauen.

Nachdem das überwunden ist, fehlt nur noch der Übernachtungsplatz. Wir wollen etwas weiter vom Fluss weg campieren. Erstens weil es in Flussnähe bestimmt Mücken gibt und zweitens sind wir uns nicht sicher, inwieweit die Tide des Atlantiks die Wasserhöhe im Draadelta beeinflusst. Der passende Ort ergibt sich zum Glück ein paar Minuten später. An der Stelle steht bestimmt auch ab und zu mal das Wasser, wir sind allerdings soweit oberhalb, dass wir das Risiko für überschaubar halten. Sogar Brennholz ist schnell gefunden, so dass wir für den Abend auch wieder ein kleines Feuer entzünden können.

Morgen wird es dann richtig spannend. Es geht nochmal Richtung Süden. Wohin genau erfahrt ihr im nächsten Teil.