Cascades de Khaoui Naam

Auf fast jeder Reise kommt für mich der Punkt, an dem ich überlege, ob sich der Aufwand für ein bestimmtes Ziel lohnt. Genauso ist es bei unserem heutigen Ziel. Als ich gestern aufgestanden bin, hatte ich mir spontan die Frage gestellt, ob es sich lohnt meine Freunde nochmal 150km Richtung Süden zu jagen. Mit der restlichen Urlaubszeit könnten stattdessen auch noch andere Ziele angesteuert werden. Trotz dieser Zweifel ging es auf die besagte Strecke Richtung Süden, es war kein Widerspruch gekommen und ich hatte das Ziel, wie beschrieben, schon länger im Kopf.

Nach dem Losfahren geht es zuerst über eine große Ebene, bis plötzlich ein tiefer Einschnitt in der Landschaft sichtbar wird. In Sekundenbruchteilen sind die letzten Zweifel verschwunden – ja es war richtig, hier hin zu fahren. Alleine optisch ist das ein Highlight. Ich denke ich lasse einfach ein paar Bilder sprechen.

Eine Drohne wäre jetzt nett, haben wir aber leider nicht dabei. Auch so ist es einfach ein großartiger Anblick. Das Wasser ist etwas stinkig und sieht auch nicht wirklich gesund aus. Trotzdem findet sich rund um den Wasserfall erstaunlich viel Vegetation und viele Vögel sind dabei ihren Nachwuchs aufzuziehen. Immer wieder erstaunlich, was schon sowenig Wasser für Auswirkungen hat.

Wir bleiben über zwei Stunden vor Ort, laufen herum, fotografieren – es hat sich definitiv gelohnt.

Irgendwann muss es aber doch weiter gehen, unsere Zeit in Marokko ist leider begrenzt. Der Tag wird uns allerdings noch einige interessante Hindernisse in den Weg legen. Denn den Weg zurück zur Küste wollen wir natürlich nicht auf derselben Strecke bewältigen. Das wäre mir und den Anderen zu langweilig.

So fahren wir auf die andere Seite der Schlucht und versuchen von dort aus einen Weg Richtung Küste zu finden. Ganz ohne Piste ist das nicht einfach. Wir haben zwar zur Orientierung einen GPS-Track dabei, aber vor Ort sieht es dann oft komplett anders aus.

So landen wir auch prompt in einer Sackgasse. Vor mir tut sich zunächst ein größerer Kessel auf, in dem es sich hervorragend fahren lässt. Einige verwehte Fahrzeugspuren führen hinein und die Richtung stimmt auch erst mal. Leider stellt sich 30 Minuten später raus, dass zwar eine schöne Spur in den Kessel führt, auf der anderen Seite aber keine Möglichkeit besteht raus zufahren. Dumm gelaufen!

In so einer Situation gibt es zwei Möglichkeiten. Komplett zurück fahren oder eine Alternative Ausfahrt suchen. Ihr dürft mal raten, welche Variante wir gewählt haben?

Schon in der Bibel steht, „wer suchet der findet“. Frei nach dem Motto hat sich an einem flacheren Teil der Böschung eine Düne so geschickt platziert, dass wir aus dem Kessel ohne größere Probleme ausfahren können.

Damit sind allerdings die Suchspiele noch nicht beendet, denn echte Pisten zur Orientierung gibt es hier nicht. Einige Zeit später müssen wir eine Abfahrt vom Plateau zur Küste runter finden. Auch hier wieder keine Spuren zu sehen, dafür eine tolle Dünenlandschaft und im Hintergrund schwach zu erkennen, der Atlantik.

Auf dem letzten Foto lässt sich schon erahnen, wo es runter gehen soll. Eine schöne Abfahrt, die letztendlich sehr einfach zu fahren war.

Zum Abschluss unserer Tour folgt noch mal eine wunderschöne Dünenpassage, bevor wir endgültig die Nationalstraße wieder erreichen.

Der Rest ist schnell erzählt, denn das Wetter wechselt leider plötzlich auf Regen und Sturm, so dass wir die geplante Übernachtung an der Lagune streichen. Wir fahren zurück bis Tan Tan und weiter bis zum Ksar Tafnidilt, dem einzigen nennenswerten Campingplatz / Hotel in der Umgebung von Tan Tan.

Morgen soll es dann zum Plage Blanche gehen, eine eher kurze Etappe. Nachdem wir in den letzten Tagen sehr viel gefahren sind, nicht verkehrt. Mehr davon dann im nächsten Bericht.