Erg Chegaga

Nach einer unglaublich ruhigen Nacht werde ich für den Sonnenaufgang etwas zu spät wach. Ich erwische ihn noch, eine halbe Stunde früher wäre jedoch schöner gewesen. Es ist hier so ruhig, dass ich morgens fast immer zu spät wach werde. Wer noch nie in der Wüste war, kann sich vielleicht nicht vorstellen, wie ruhig es dort sein kann. Wenn kein Wind geht, kannst du dein Blut in den Ohren rauschen hören. Du hörst einzelne Sandkörner wenn sie über den Boden bewegt werden. Das gehört für mich schon zu den besonderen Erlebnissen. Der Guide vom Vortag hatte bereits extra angedeutet, dass es hier in der Umgebung des Erg Zeher besonders ruhig ist. Viel ruhiger als am Erg Chegaga, wo zuviel los sei 😉 . Das ist natürlich Ansichtssache, aber recht hatte er, was die Ruhe angeht.

Wir erwischen heute nochmal einen perfekten Tag und finden eine schöne Route zum Erg. Wieder keine Wolke am Himmel, kein Wind und warme Temperaturen. Im Tagesverlauf wird es uns zwischenzeitlich sogar zu warm.

Auch an einem perfekten Tag gelingt es mir allerdings zweimal, das Auto fest zu fahren. Das ist einfach das Los, wenn du als erstes Fahrzeug unterwegs bist. Die Anderen sehen, wenn die Linie nicht perfekt ist und können daraufhin den weichen Sand vermeiden.

Ist aber kein Drama, wir haben für solche Situationen alles dabei und das Bergeseil ist schon für den schnellen Zugriff auf dem Dachträger geparkt. So ist der Patrol jedes Mal wieder schnell befreit. Opfer waren diesmal allerdings auch zu beklagen. An Michaels Toyota reißt das Windenseil mit einem lauten Knall, als er versucht mich zu bergen. Da wir zwei Autos mit Seilwinde haben, ist das kein Problem. Passieren sollte das bei einem fast neuen Seil trotzdem nicht.

Im Erg Chegaga finden wir nach etwas Suchen ein schönes Dünental, welches uns immer weiter ins Erg hineinführt. So macht das richtig Spaß, wenn sich die Linie flüssig fahren lässt. Dabei kreuzen wir unsere Strecke von 2016, bleiben aber auf unserer bis jetzt bewährten Linie.

Zwischenzeitlich gelingt es mir, uns direkt auf die höchste Düne des Ergs zu navigieren. Das fällt mir erst dann auf, als plötzlich (also für mich plötzlich) ein riesen Sandberg im Weg ist. Eine sichere Umfahrung war auf unserem Kurs nicht auszumachen. Da bleibt dann nichts anderes übrig, als ein Stück zurück zu fahren und weiter südlich den Sandberg zu umfahren.

Gegen 16:30 Uhr stellen wir uns wieder die Frage: noch etwas weiter fahren, oder Lagerplatz suchen? Die Münze fällt auf Lagerplatz und wir finden in einem kleinen Dünental schnell einen Übernachtungsplatz.

Einen genauen Plan wie es weitergehen soll, haben wir noch nicht. Auf jeden Fall noch ein Tag im Erg und dann weiterschauen. Für den kommenden Tag ist etwas Wind vorhergesagt, es könnte also sein, dass sich das Wetter ändert. Alles weitere dann im nächsten Bericht – es wird interessant bis spannend!