Durch die Schluchten des Antiatlas

So langsam neigte sich der Marokko-Urlaub dem Ende entgegen. Die Wüstenetappen lagen hinter uns – zum Abschluss wollten wir noch dem Antiatlas und Tafraoute einen Besuch abstatten, danach an die Atlantikküste.

Letztes Jahr waren wir eine schöne Runde durch den Antiatlas gefahren. Zumindest einen Teil davon wollte ich nutzen, um nach Tafraoute zu gelangen. Erstes Zwischenziel sollte Tata sein, wo wir unsere Vorräte ergänzen wollten.

Auf dem Weg von Foum Zguid nach Tata kommt man durch Tissint. Hier lohnt sich an der Schlucht immer ein Stopp, da man einen tollen Blick auf den alten Teil von Tissint hat. Da mir das Licht nicht zusagte, hab ich mir Fotos dieses Jahr gespart, ich hatte bereits 2015 einige Aufnahmen gemacht.

Warum wir allerdings im neueren Teil von Tissint, an einem Tag an dem nichts los war, von der Polizei 20 Minuten aufgehalten wurden, hab ich nicht verstanden. Sie haben meine Daten aufgenommen, sind einige Zeit wichtig um ihren Jeep rumspaziert, danach durften wir weiterfahren. Wozu uns dann noch ein Passant den Mittelfinger gezeigt hat, hab ich auch nicht verstanden. Hab ich diesen Menschen schon mal getroffen? Hab ich mit dem schon mal gesprochen? Ich denke nicht – also was soll das?

Egal – abhaken weiter nach Tata. Hier sind die Menschen wieder freundlicher. Ich bin hier immer wieder gerne. Eine nette kleine Stadt an der algerischen Grenze. Sehr sauber und freundliche Bewohner. Hier kann man in Ruhe seine Einkäufe erledigen, ohne das einem ständig jemand auf den Füßen steht.

Plötzlich war dann auch mittag und wir hatten von einem der Restaurants eine „Einladung“ bekommen bei ihm essen zu gehen 😉 . Sprach nichts dagegen und wir konnten uns noch etwas das Leben auf der Hauptstrasse anschauen.

Nachdem die Mägen gefüllt waren, konnte es weiter gehen. Wir sollten noch Strecke machen. Aus dem letzten Jahr hatte ich noch in Erinnerung, dass es nicht ganz einfach sein würde einen Übernachtungsplatz für vier Autos zu finden, wenn man erstmal in den Bergen ist.

Landschaftlich ist der Antiatlas für mich jedesmal ein Highlight. Hier kann man der Erde noch bei der Arbeit zuschauen. Platten schieben sich übereinander und formen neue Gebirge. Da bei uns alles überwachsen ist, lässt sich das nicht mehr so gut sehen. Hier ist alles offen sichtbar. Die Gesteinsschichten sind offen sichtbar, für einen Geologen muss das hier eigentlich ein Paradies sein. Ich freue mich immer darüber, dass es hinter jeder Wegbiegung was neues zu entdecken gibt.

Je höher wir uns in das Tal schrauben, desto schmaler wird die Piste. Einige Bäche müssen überquert werden und es gibt einige Engstellen, die für einen LKW nicht mehr machbar wären. Auch wenn man die Strecke schon kennt, ist es absolut spektakulär hier durch zufahren.

Auf der Suche nach einem Übernachtungsplatz bleibt einem allerdings auch nichts anderes übrig, als das Tal komplett zu durchqueren, bis man zum Pass über den Bergrücken kommt. Bis zu unserem Übernachtungsplatz vom letzten Jahr war es zu weit. Wir würden dann in die Dunkelheit kommen und da hab ich auf diesen schmalen Pisten keine Lust drauf. Deswegen hielt ich schon mal Ausschau nach einem passenden Plätzchen.

Während ich so drüber nachdachte, wo denn ein schönes Plätzchen sein könnte, kam plötzlich von hinten ein Funkspruch, den man genau hier so gar nicht gebrauchen kann. „Wir haben keine Bremse mehr“. Huppps – das ist aber doof hier mitten im Gebirge, war mein erster Gedanken.

Am HZJ von Nina und Michi war das Bremspedal Richtung Boden durchgefallen – keine Bremswirkung mehr. Zum Glück waren wir immer noch Bergauf unterwegs und besonders schnell kann man auf den schmalen Pisten auch nicht fahren. Also erstmal weiter. Zum Glück fand sich relativ kurz danach ein kleines Plätzchen, auf dem vier Autos einigermaßen gerade stehen konnten.

Die Fehleranalyse am HZJ erbrachte als Erkenntnis einen leeren Ausgleichsbehälter für die Bremsflüssigkeit. Das erklärt schon mal die fehlende Bremswirkung. Einige Minuten später war dann auch das Leck im System gefunden. Richtung Hinterachse musste die Bremsleitung schon länger am nachträglich eingebauten Wassertank gescheuert haben. Irgendwann ist die Leitung dann durch und entlässt die Flüssigkeit in die Freiheit. Doofe Sache – auch weil keiner von uns Bremsflüssigkeit dabei hatte. Das kommt auf jeden Fall auf die Liste für die nächste Tour!

Selber reparieren ohne passendes Werkzeug geht nicht, also musste der HZJ in eine Werkstatt. Die nächste lag in Tafraoute, ca. 40km von unserem aktuellen Standort entfernt. Von daher war die Hausaufgabe für den folgenden Tag klar: HZJ ohne Bremsen durch die Berge nach Tafraoute bringen.

1 Kommentar

  1. Dann will ich mal hoffen das Ihr das hin bekommt. Nur mit der Handbremse? sehr mühsam.

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