Wer braucht schon Bremsen – oder vier Stunden für 40 Kilometer

Wie bereits berichtet, war unsere Aufgabe für den 19.11. klar: der HZJ muss irgendwie in eine Werkstatt in Tafraoute gebracht werden. Von unserem Übernachtungsplatz aus, waren es ca. 40km bis nach Tafraoute.

Ich hatte noch aus dem letzten Jahr in Erinnerung, dass man oben auf der Passhöhe auch die Möglichkeit hat auf eine gut ausgebaute Straße auszuweichen. Da es wenig Sinn gemacht hat, dass wir mit vier Autos Richtung Tafraoute zuckeln, haben wir uns für diesen Tag aufgeteilt. Ich bin mit Nina und Michi mitgefahren, um die beiden auf der Fahrt zu unterstützen, Karo und Michael, Marlis und Jörn sind die ursprünglich geplante Route gefahren.

Mit dem Patrol bin ich immer etwas vorgefahren um über Funk durchzusagen wie die Strecke weitergeht. Bergab oder Bergauf, ob es Gegenverkehr gibt etc. Das ging erstaunlich gut. Im ersten Gang kommt man zwar nicht besonders schnell vorwärts, aber man braucht auch nicht wirklich die Bremsen. Zum Anhalten reicht dann kurz die Handbremse.

So eine Fahrt könnte man auf keinen Fall in Deutschland machen. Auch in Marokko ging das nur, weil wir uns im relativ dünn besiedelten Gebirge befanden. Es war praktisch nichts los. Auf der kompletten Strecke haben uns gerade mal 4 Autos überholt. Allerdings zogen sich die 40 Kilometer auch auf fast 4 Stundenhin. Auf jeden Fall konnte ich noch nie hinterm Steuer sogut die Landschaft zu betrachten 😉 .

In Tafraoute hatten wir eine Empfehlung für eine Werkstatt im Marokko-Führer von Edith Kohlbach gefunden. Nicht das erste Mal, dass uns dieser Führer auf Marokko-Touren weitergeholfen hat. Kann ich wirklich jedem empfehlen, der mal dieses Land bereisen will.

Nachdem die drei bei der Werkstatt abgeliefert waren, hab ich spontan entschieden, den beiden anderen Teams entgegen zu fahren. Es war kurz nach Mittag, also noch genug Zeit etwas zu unternehmen.

Kurz  nachdem ich hinter Tafraoute von der Straße abgebogen war, sah ich am Wegesrand einen älteren Marokkaner stehen, der mir zuwinkte. Hier immer ein Zeichen, dass die Leute mitgenommen werden wollen. Für viele ist das die einzige Möglichkeit schnell von A nach B zu kommen. Wenn niemand vorbei kommt, muss man halt zu Fuß laufen. Normal halte ich da nicht an, da ich auch in der Regel keinen Platz im Auto habe, um mehrere Personen mitzunehmen. In diesem Fall hab ich es aber doch mal getan, da es sich um eine Einzelperson handelte, die außerdem nicht mehr so gut auf den Füßen war.

Kurz bevor ich meinen Tramper in seinem Heimatdorf abliefern wollte, kamen mir die beiden Fahrzeuge entgegen. Also noch schnell den Kollegen an seinem Haus abgeliefert und wieder ein paar hundert Meter zurück. Der hatte sich auch mehrmals bedankt – wie heißt es doch so schön bei den Pfadfindern? Jeden Tag eine gute Tat 😉 .

Ehrlich gesagt hatte ich die beiden Teams schon viel weiter oben im Tal erwartet, aber anscheinend war die geplante Piste doch schwieriger zu befahren gewesen, als ich das im Vorfeld erwartet hatte. Davon wird Michael im nächsten Reisebeitrag berichten.

Auf dem Weg zurück nach Tafraoute sind wir auch an den berühmten angemalten Felsen vorbei gekommen. Sieht schon ganz witzig aus, diese blau und rosa angestrichenen Felsen. 1984 hat der belgische Künstler Jean Vérame hier ein Kunstwerk geschaffen, welches Tafraoute weltweit bekannt gemacht hat. Man kann davon halten was man will, aber Tafraoute hat dieses Kunstwerk ganz sicher nicht geschadet.

Wir sind dann noch an der Werkstatt vorbeigefahren, wo der Toyota schon fast fertig war. Anscheinend hatten die Mechaniker die komplette Bremsleitung demontiert und die schadhafte Stelle wieder abgedichtet. Genauer kann ich es leider nicht beschreiben, da ich nicht vor Ort war. Das wichtigste aber: der Wagen hatte wieder funktionierende Bremsen. Damit fährt es sich dann doch irgendwie besser.

Abends gab es dann noch ein leckeres Abendessen. Zur Abwechslung mal keine Tajine. War wieder ein ereignisreicher Tag und wir haben eine weitere Werkstatt unserem „Werkstattführer“ hinzufügen können 🙂 .

Nächste Station – Atlantikküste!

3 Kommentare

  1. Hir in D würde das keiner machen die Leitung Verlöhten. Aber bekanntlich Profisorisch hällt am längsten.

  2. Ein Traumurlaub!
    Aber seid ihr wirklich ohne Abschleppstange nach Afrika? So ein Teil hat doch nur 8kg…
    Muss auf die Einpackliste!

  3. Pingback: Verschwundene Pisten - sgm-travel

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