Von Gramsh nach Kukur

Nachdem wir auf dem Bergrücken oberhalb von Gramsh übernachtet hatten, sollte es heute über eine schmale Piste bis nach Kukur gehen. Bereits bei der Planung der Reise hatte mir die Beschreibung dieser Route so gut gefallen das ist sie am liebsten sofort gefahren wäre. Es handelt sich hierbei um eine alte Verbindung direkt über die Berge, welche heute nicht mehr verwendet wird. Diese Strecken werden deswegen auch nur noch sporadisch gepflegt oder einfach dem Verfall preisgegeben. Solange der Weg noch nicht komplett abgerutscht ist sind es gerade diese Strecken die dem 4×4-Fahrer den meisten Spaß bereiten.

Einige Kilometer nachdem wir losgefahren waren gelangten wir bereits in den Wald und der Weg wurde immer schmaler. Vor der ersten schwierigeren Stelle sind wir erstmal alle ausgestiegen und haben uns diese zu Fuß angeschaut. Das Macht immer dann Sinn, wenn man sich unsicher ist, wie die Stelle zu befahren ist. Letztendlich war es dann aber einfacher als vorher gedacht. Trotzdem ein sehr schöner Einstieg in den Tag.

Danach ging es auf sehr felsiger Piste immer weiter den Berg hinauf. Kurz vor 12 Uhr – ich hatte mich bereits gedanklich mit der Mittagspause beschäftigt – passierten wir eine Stelle an der ein größerer Stein mittig aus dem Erdreich schaute. Irgendwie war ich zu dem Moment nicht zu 100% bei der Sache und nahm den Stein genau in die Mitte des Fahrzeugs. Also völlig falsch denn normalerweise versucht man solche Stellen immer mit den Reifen zu überfahren. Zuerst gab es von vorne ein schabendes Geräusch, vermutlich vom Vorderachsdifferential, danach ein etwas lauteres Geräusch von dem ich zuerst dachte es wäre die Anhängerkupplung. Das ist normalerweise nicht weiter dramatisch da diese stabil gebaut ist und man sie sehr gut über Hindernisse hinweg ziehen kann wenn sie denn mal Grundberührung bekommt. In diesem Fall war es allerdings nicht die Anhängerkupplung die dieses Geräusch verursachte, sondern das Hinterachsdifferential.

Nun hatte ich den Wagen erfolgreich mit dem Erdreich verankert. Die Hinterräder berührten zwar noch den Boden hatten aber nicht mehr genügend Traktion um den Wagen über den Felsen rüber zu schieben. Da es bergauf ging war auch die entlastete Vorderachse trotz Allradantrieb keine Hilfe um vorwärts zu kommen. Der Wagen hatte jetzt einen Ankerpunkt, nämlich das Hinterachsdifferential um welchen er sich drehen konnte. Mir war sofort klar dass ich hier nur noch mit fremder Hilfe rauskomme.

Um das Bergemanöver etwas zu erleichtern versuchten wir einige der Steine unter dem Differential heraus zu buddeln. Das dauerte ungefähr 45 Minuten, bis wir das Differential soweit freigelegt hatten dass wir den Wagen mit so wenig Gewalt wie möglich nach vorne ziehen konnten. Die ganze Aktion hat uns ungefähr eine Stunde gekostet. Sowas kann einfach passieren wenn man mal kurz unkonzentriert ist. Ein schönes Beispiel dafür wie aus einer eigentlich einfachen Stelle eine Schwierige wird. Schäden am Fahrzeug keine, am Differential war nicht mal ein Kratzer zu sehen. Die Achse ist einfach so stabil gebaut dass an dieser Stelle die Oberfläche des Steins der Schwächere war.

Den Rest der Strecke absolvierte ich danach mit höherer Konzentration so dass mir solche Fehler nicht mehr unterlaufen sind. Insgesamt ein toller Tag mit einer schönen Strecke und tollen Ausblicken auf die albanische Bergwelt.

Unser Nachtlager bezogen wir in der Nähe von Kukur direkt am Flussbett, natürlich auf erhöhter Position. Da wir alle nichts gegen ein kleines Bad hatten bauten wir uns im Fluss eine kleine Badewanne. Das war dann eine schöne Abkühlung nach dem doch sehr heißen Tag. Für morgen steht noch mal eine ähnlich schwere Strecke auf dem Programm welche sich in der Beschreibung auch sehr interessant angehört hat.

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