Landgut Palmse und Übernachtung bei den Motocrossern

Nachdem wir uns fast zwei Wochen lang mehr oder weniger Richtung Norden bewegt hatten, sollte es ab dem 17. wieder Richtung Norden gehen. Am 21. Juli würde die Fähre in Klaipeda auf uns warten und bis dahin wollten wir auch noch mal einen Besuch an der lettischen Ostseeküste machen.

Als Zwischenziel hatten wir uns den Tierpark in Elistvere ausgesucht, das sollte doch ein interessantes Besuchsziel für die Kinder sein. Hatten wir zumindest gedacht. Mehr dazu später.

Auf dem Weg dahin lag das Schloss Palmse, welches heute teilweise ein Freilichtmuseum ist. Das hörte sich so interessant an, dass wir einen Besuch einplanten.

Das Landgut Palmse gehörte über 300 Jahre der deutsch-baltischen Familie „von der Pahlen“. Nach dem ersten Weltkrieg wurde das Gut vom damaligen neu gegründeten Estland enteignet. In den folgenden Jahrzehnten verfiel das Gutshaus immer mehr, so dass Anfang der 70er praktisch nur noch eine Ruine übrig geblieben war. Die Wende kam, als 1971 der Lahemaa Nationalpark gegründet wurde. Neben dem Erhalt des Ökosystems sollte der Park auch das kulturelle und historische Erbe der Region erhalten. Ab 1972 wurden die Gebäude wieder instand gesetzt, so dass sie heute wieder in alter Pracht zu besichtigen sind.

Bei gutem Wetter kann man draußen Bogenschießen, mit einer Kutsche mitfahren, Cricket ausprobieren oder mit alten Tischtennisschlägern eine Partie spielen. Gutes Wetter hatten wir leider nicht. Es stellte sich Regenwetter ein, das auch nicht besser wurde, sondern immer intensiver.

Im Hauptgebäude ist viel über die deutsch-baltische Geschichte zu erfahren. Die komplette Geschichte des Landguts ist auf der Webseite des Museums nachlesbar.

Absolutes Highlight – für Kinder und Erwachsene ist m.E. die historische Schmiede, die im hinteren Teil zu finden ist. Hier arbeitet auch ein Waffenschmied, dem man bei der Arbeit zuschauen kann und der offensichtlich obendrein noch ein Jäger und Sammler ist. Der komplette Innenraum ist voll mit Fundstücken aus den vergangenen Jahrhunderten.

Irgendwann musste es dann aber auch weiter gehen – Richtung Elistvere. Das Wetter leider immer noch sehr regnerisch, aber wir hatten den aktiven Teil des Tages bereits hinter uns. Was uns dann nur noch fehlte war ein adäquater Übernachtungsplatz, was sich am Ziel angekommen, als nicht ganz einfach herausstellte. Direkt am Tierpark gibt es leider keinen richtigen Übernachtungsplatz. Wir hätten zwar auf dem Parkplatz übernachten dürfen, fand ich jetzt aber mit Kindern nicht so prickelnd. Auch der nächste Parkplatz direkt an einer Straße, wäre für mich alleine OK gewesen, wäre auch ohne Kinder OK gewesen, aber eben nicht mit. Also weiter!

Wie so häufig führt uns dann der Zufall zu einem sehr skurrilen Übernachtungplatz. Wir sehen nur das Zelt-Symbol am Straßenrand und biegen einfach mal ab, um Sekunden später zu sehen, dass wir auf einer Motocross-Strecke gelandet sind. Es ist jede menge Platz vorhanden und wenn die Jungs mit Ihrem Training fertig sind, dürfte es auch still werden. Also hier könnte man übernachten – aber geht das auch?

Nicht zum ersten Mal werden wir von den Betreibern (Motocross-Club und Motorradwerkstatt) freundlich empfangen und klar es ist kein Problem, wir könnten hier für eine Nacht stehen. Die waren glaube ich auch überrascht, dass wir zu ihnen gefunden hatten. Genau sowas macht aber für mich diese Art von Urlaub aus. Das man eben nicht immer alles genau durchgeplant ist und das man auch immer mal wieder schauen muss, wo die Nacht verbracht werden kann.

Die Jungs fanden es klasse und haben den Motocrossern begeistert beim Training zugeschaut. Definitiv einer der interessantesten Übernachtungsplätze, die ich in den letzten Jahren hatte.

Achso – da war noch der Tierpark. Der stellte sich leider als Flopp heraus, was vielleicht auch am schlechten Wetter lag. Trotzdem würde ich behaupten, dass sich nur dafür die Fahrt in diese Ecke Estlands nicht lohnt. Da gibt es definitiv interessantere Plätze.

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