Marokko 2013

Vom Erg Chegaga nach Zagora

Wieder einmal diese Stille in der Nacht. Dazu noch ein wunderschöner Sternenhimmel – war braucht man noch? Naja ab und zu eine Dusche 😉 . Irgendwie hatte ich das Gefühl, der Sand würde überall kleben. Die Nacht war übrigens empfindlich kalt gewesen, was ich aber als sehr angenehm empfunden habe, nach der Hitze des Tages.

Erstmal mussten wir wieder raus aus den Dünen. Nochmal den Luftdruck in den Reifen kontrolliert und los ging es. Mit dem gewonnen Wissen von gestern ging es auch gleich viel besser vorwärts. Gleichzeitig ist der Sand morgens natürlich auch noch tragfähiger. So arbeiteten wir uns von Düne zu Düne – hat richtig Spaß gemacht.

Mein Vorteil ist natürlich, dass Florian im Jeep meistens vorgefahren ist. Gleichzeitig musste ich aber auch versuchen, möglichst dem Rubicon auf den Fersen zu bleiben. Mitunter nicht so einfach, dass sollte sich noch im Laufe des Tages zeigen 😉 .

Irgendwann war dann der Sandtrack entlang des Erg Chegaga wieder erreicht. Die Strecke kennen wir ja schon aus dem letzten Jahr, aber irgendwie hatte sie sich leicht verändert. Ist klar, die Dünen sind ständig in Bewegung und damit verändert sich auch der Track.

Florian meinte dann noch einen lohnenden Abstecher auf der Karte gesehen zu haben – eine „Sacree Oase“ (heilige) zu sehen. Also abgebogen in Richtung diese wunderbaren Zwischenziels 😉 . Wie ich schon fast vermutet hatte, stellte sich die Oase als Touricamp raus, war also nicht das, was wir erwartet hatten. Also wieder zurück zur Hauptpiste.

Dieselbe Strecke zurück geht natürlich gar nicht, also nahmen wir eine andere Piste. Die war dann allerdings leider irgendwann unter Dünen verschwunden. Kein Problem, dann geht es halt einfach der Nase nach in Richtung des nächsten Waypoints. Zwischendurch kletterten die Temperaturen wieder in Richtung 40°.

Zurück auf dem Haupttrack sollte es relativ easy in Richtung M’Hamid gehen. Sollte – irgendwie war dieses Jahr alles ander, denn auch dieser uns bekannte Track verschwand irgendwann unter Dünen und mir war nicht mehr so 100%ig klar, wie wir weiterfahren sollten. Aus dem Funk kam dann nur der Spruch des Tages „lass uns doch die große Düne im Süden umfahren, das sieht nicht so hoch aus“. Na gut, dann wieder rein in die Dünen.
In den folgenden Minuten versuchte ich, zum Glück erfolgreich, dem Jeep auf den Fersen zu bleiben. Eine Düne nach der anderen, die auch immer höher wurden, auch der Platz zwischen den Dünen wurde immer geringer, dafür die Abfahrten steiler. Aber irgendwie ging es dann doch. In der zweiten Düne stand plötzlich jemand auf der Düne und schaute unserem treiben zu. Nachdem ich mich gewundert hatte, wo der Typ herkommt, war der nächste Gedanken nur, hier festfahren geht gar nicht 😉 . Eine Düne weiter steht plötzlich links von mir ein Nomadenzelt, welches vermutlich für eine Tourigruppe aufgestellt worden war. Der Tourguide schaut auch etwas sparsam, als wir an ihm vorbeisurfen und ich denke mir nur, „5 Meter weiter links und wir wären vermutlich ins Abendessen gefahren“ 😉 .

Nachdem das Dünenfeld passiert war, stellte ich mich erst mal auf eine ruhigere Reststrecke ein. Aber der Tag sollte noch mehr Überraschungen bereithalten. Bei ca. 40° zog plötzlich, kurz vor M’Hamid ein Sandsturm auf. Wirklich übel – gleichzeitig führt die Piste hier durch ein Weichsandfeld, welches für sich alleine schon für eine ordentliche Staubentwicklung sorgt. Da der Wind von hinten kam, wurde man immer mal wieder von der eigenen Staubwolke eingeholt. Das wurde irgendwann so extrem, dass ich die Fenster zumachen musste.
Wirklich klasse, 40° draußen, Fenster zu und ich ohne Air-Condition. Immer mal wieder war Blindflug angesagt, wenn mal wieder die Staubwolke schneller war, als das eigene Auto. Ich war dann auch schon fast froh, als endlich M’Hamid erreicht war und freute mich auf die verdiente Dusche. Leider stellte sich der ausgesuchte Campingplatz als sturmumtoster Ort heraus – also doch weiter nach Zagora.

Die Entscheidung sollte richtig sein, denn in Zagora selber hatten wir endlich Ruhe vor dem nervigen Sandsturm. Eigentlich wollten wir nicht nach Zagora fahren, da man dort ständig von irgendwelchen Guides, Teppichhändler und Werkstattbesitzer umschwärmt wird. Auf dem Campingplatz hat man dann aber zum Glück seine Ruhe. M’Hamid ist in der Hinsicht übrigens auch nicht besser, ein Dreckkaff (sorry) voll mit falschen Führern. Mal ehrlich, was soll ich denn von Guides halten, die mit ihren „Opfern“ – pardon Gästen – auf der Rücksitzbank, am Ortsausgang anhalten, die Motorhaube aufmachen und mitten im Sandsturm anfangen zu reparieren?

Jeder wie er mag – beste Taktik ist m.E. durch M’Hamid einfach ohne anzuhalten durchzufahren. Egal wer auf der Straße steht und versucht einen anzuhalten. Die Jungs machen schon Platz, wenn sie sehen, dass man auf keinen Fall bremsen wird 😉 .

Morgen gibt es erst mal einen wohlverdienten Ruhetag, bevor in unsere letzten 4 Actiontage in Marokko aufbrechen werden.