Albanien 2013

Von der Südküste bis zu den Thermalquellen bei Permet

Mittwoch abend hatten wir über der Karte hockend die Route bis zu den Thermalquellen geplant und waren uns ehrlich gesagt etwas unsicher, ob wir die Strecke an einem Tag bewältigen könnten. Da wir bisher keine Erfahrungen mit albanischen Straßenverhältnissen hatten, haben wir schon am Mittwoch für die knapp 175km 2 Tage eingeplant. Wie sich herausstellen sollte, war diese Annahme nicht so verkehrt. Wenn man sich vorher auf einen 20er bis maximal 30er-Schnitt einstellt, liegt man nicht so verkehrt. Viel mehr war auf den Strecken, die wir v.a. am Donnerstag gefahren sind, nicht machbar.

AUf dem Weg zu den Thermalquellen wollten wir uns noch die Ruinen bei Amantia anschauen, eine alte ilyrische Kultstätte. Der Besuch dort war eher ein Reinfall, die Anfahrt allerdings so mit das interessanteste, was ich in den letzten Jahren gefahren bin.

Die Küste entlang war alles noch problemlos zu fahren, bis wir in Vlore Richtung Landesinnere abgebogen sind. Die bis dahin mehr oder weniger gute Straße verwandelte sich schlagartig in eine Schlaglochslalomstrecke. Leider haben wir dann unterwegs irgendwo unseren Abzweig verpasst. Aber kein Problem, dank der sprichwörtlichen albanischen Gastfreundschaft findet sich immer mindestens einer, der einem weiterhelfen möchte.

Wobei „weiterhelfen“ schon stark untertrieben ist – so was wie in Albanien hab ich noch in keinem anderen Land erlebt. Die Einwohner freuen sich geradezu, wenn sie dem Gast hilfreich zur Seite stehen konnten. Man wird teilweise mitten auf der Straße, oder in Geschäften angesprochen, „do you need help, I can speak english“ – oder halt mit Händen und Füßen und ein paar Brocken deutsch, englisch und italienisch. Wer es nicht selber erlebt Deutschland über dieses Land kursieren, sind m.E. völliger Blödsinn. Ich hab mich noch in keinem anderen europäischen Land von der Bevölkerung so willkommen gefühlt, wie hier. Was man allerdings, außer an der Küste, nicht erwarten darf, ist irgendeine touristische Infrastruktur. Es gibt so gut wie keine Campingplätze und im Landesinneren dürfte es auch schwierig werden Hotels zu finden, wenn man auf so was angewiesen ist.

Für unsere Art des Reisens ist das allerdings sehr positiv, denn es stört niemanden, wenn man sich abends ein nettes Plätzchen für die Übernachtung sucht. Wenn ein Haus in der Nähe ist, vielleicht einfach nachfragen, ob es OK ist, dass man in Sichtweite eine Nacht übernachtet.

Nach dem Exkurs mal zurück zu unserem gekurve durch die albanische Wildnis. Dank eines überaus hilfsbereiten Albaners bekamen wir eine äußerst genau Wegbeschreibung, wie wir am Besten zu unserem Zwischenziel kommen würden. Die Wegbeschreibung war sicherlich korrekt, aber irgendwie waren die danach zu befahrenen Wege weit von dem entfernt, was der normale Mitteleuropäer sich unter einer Straße vorstellt. In Deutschland zahlen Offroader für solche Strecken Geld, um sie in abgesperrten Geländen fahren zu dürfen. Aber wir wollten es ja nicht anders und Spaß hat ess obendrein gemacht.

Allerdings wurde unser Zeitplan dadurch ordentlich durch den Wolf gedreht, so dass wir uns irgendwann zwischen Amantia und Tepelene einen Übernachtungsplatz mitten in den Bergen suchten. Unser jüngster Mitreisendes hatte auch so langsam die Nase voll vom Autofahren, wollte mal ein bisschen rumflitzen und was zum futtern haben 😉 . Trotz der „Notlage“ war der gefundene Übernachtungsplatz fast perfekt. Eine tolle Aussicht, um schöne Fotos zu machen, plus Unterhaltungsprogramm für die jüngere Besatzung. In Sichtweite hatten nämlich Hirten ihre Behausung und waren gerade damit beschäftigt ihre Viecher einzusammeln. Auch hier, alle die vorbei kamen, ob auf dem Pferd oder mit dem Auto, waren total freundlich und machten nicht den Eindruck, wir würden hier oben stören.

Nun zum Freitag … nach den schwierigen Strecken des Vortages waren die restlichen Kilometer bis zu den Thermalquellen fast eine Spazierfahrt. Einen längeren Zwischenstopp legten wir in Tepelene ein, um was futtern zu gehen und um unsere Vorräte etwas aufzufüllen. Wobei wir den „Supermarkt“ ohne mehrere hilfsbereite Albaner nicht gefunden hätten. Es war auch einfach mal interessant, in einem Kaffee zu hocken und sich das Treiben auf der Straße anzuschauen.

Der restliche Weg war danach recht schnell erledigt, so dass wir gegen 16 Uhr an unserem Ziel ankamen und uns endlich in den Naturpool werfen konnten. Eine echte Wohltat, nach 3 Tagen nur Salzwasser 😉 . Der Weg zu dem Naturpool führt übrigens über eine alte Römerbrücke, die man auch auf diversen Albanien-Reiseführern sehen kann. Ein empfehlenswertes Ziel!
Am Samstag wird es dann weiter Richtung Ohrid-See gehen.