In den Dünen vor Mhamid

Es ist der 07.03. und wir sitzen in den Dünen, die kurz vor Mhamid in der marokkanischen Wüste liegen. Endlich Sand unter den Füßen und den Sonnenuntergang genießen. Ein paar stimmungsvolle Fotos später ist das abendliche Lagerfeuer entzündet und wir kümmern uns um das Abendessen.

Hier hin zu kommen bedeutete einige Tage Autofahren, mit vielen Kilometern auf Autobahnen und Landstraßen. Gestartet sind wir – zunächst noch getrennt – am 01./02. März in Deutschland. Wie üblich bin ich Donnerstag direkt nach dem Büro gestartet, um gegen Mitternacht meinen Übernachtungsplatz in Zentralfrankreich zu erreichen. Das Wetter war noch sehr winterlich und bot das komplette Repertoire auf, mit Eisregen und verschneiten Landschaften in Frankreich. Zum Glück war zumindest die Autobahn in Frankreich sehr gut geräumt, mit MT-Reifen auf Schnee muss man nicht haben.

Eisregen auf der französischen Autobahn

Eisregen auf der französischen Autobahn

Verschneiter Autobahnparkplatz

Verschneiter Autobahnparkplatz

Am nächsten Tag treffe ich mich mit Marlis und Jörn in Montluçon am örtlichen Supermarkt. Nochmal für französische Verhältnisse günstig volltanken und dann ab auf die Nationalstraße Richtung Bordeaux. Das Wetter bleibt wechselhaft, windig und regnerisch. Das macht das Fahren etwas anstrengend und so beschließen wir in Nordspanien, dass wir genug gefahren sind und suchen uns einen Übernachtungsplatz auf dem Campingplatz des Küstenstädtchens Zarautz. Ein echter Glücksgriff, bietet der Campingplatz doch eine tolle Aussicht auf die Biskaya und ein nettes kleines Restaurant, in dem wir auch noch was zum Abendessen bekommen.

Zarautz

Zarautz

Karo und Michael stoßen hier zu uns, so dass wir am Samstag endlich zu dritt sind und gemeinsam Richtung Tarifa fahren. Sonntag dann endlich in Tarifa, theoretisch könnten wir jetzt mit der Fähre schon rüber, wenn denn eine Fähre fahren würde. Aufgrund des Sturms ist die Schnellfähre von Tarifa nach Tanger City eingestellt. Da wir sowieso geplant hatten am Montag überzusetzen, bleiben wir lieber noch eine Nacht in Tarifa.

Montag – Fähre fährt immer noch nicht 🙁 . Die Alternative ist von Algeciras nach Tanger Med überzusetzen. Das wollte ich eigentlich vermeiden, weil ich diese Verbindung als sehr nervig in Erinnerung hatte. Meine Erinnerung sollte sich als richtig erweisen, denn die Überfahrt kostet uns über 5 Stunden, inkl. ein- und auschecken und den Grenzformalitäten in Marokko. Unverändert bleibt das Wetter schwierig. Es will gar nicht mehr aufhören zu regnen und der Wind mag uns auch nicht verlassen. Wo kommt bloß das viele Wasser her?

Fähre Algeciras - Tanger Med

Fähre Algeciras – Tanger Med

Da wir nicht noch mehr Zeit verdaddeln wollen, sind wir direkt durchgefahren bis nach Marrakech. Hier kommen wir spät abends an unserem Campingplatz an, dem „Relais de Marrakech“. Sehr schöner Campingplatz, eine richtige Idylle und wir bekommen sogar abends um kurz von 10 Uhr noch was zum essen. Wirklich toll – kann ich nur jedem empfehlen, der in Marrakech mit Camper übernachten möchte.

Leider wollte sich das Wetter auch am Dienstag noch nicht bessern. Es regnete zwar nicht mehr, aber es war immer noch zu kalt und windig um sich mit Spaß eine Stadt anzuschauen. Also den Besuch auf die Rückfahrt verschoben und die Route dahingehend geändert, dass wir direkt Richtung Zagora fahren.

Ein erster Blick auf die Karte: das sollte doch an einem Tag gehen? Sollte – aber nur wenn man bereit ist, die Strecke von Ouarzazate nach Zagora im Dunkeln zurück zu legen. Da hatten wir aus Sicherheitsgründen keine Lust drauf, also nochmal Zwischenstation in Ouarzazate. Von 2015 kannten wir noch einen schönen kleinen Campingplatz am Rande der Stadt im Oasengarten. Das Wetter war weiterhin für unseren Geschmack zu kühl, zumindest hatte der Regen aufgehört, nachdem wir auf über 2000 Metern den hohen Atlas überquert hatten.

Wer hat mitgezählt? Richtig! Wir sind an besagtem Mittwoch, dem 07.03. angekommen. Heute wollten wir es endlich in die Wüste schaffen und hofften auf angenehmere Temperaturen. Die Strecke von Ouarzazate nach Zagora ist landschaftlich sehr schön, führt immer mal wieder durchs Gebirge, um dann dem Verlauf des Draa Tals zu folgen.

In Zagora treffe ich dann zufällig meine Facebook-Bekanntschaft (mit dem Wort Freund gehe ich etwas vorsichtiger um, als Facebook 😉 ) von Garage Iriki Zagora. Etwas überraschend, wenn man mitten in Marokko plötzlich erkannt wird, aber auch lustig. Da ich dort sowieso vorbei fahren wollte, passte es zumindest mir sehr gut. Die Anderen durften so wieder eine marokkanische Werkstatt kennen lernen. Eigentlich wollte ich zuhause die Kardanwellen noch abgeschmiert haben. Bei den Außentemperaturen ende Februar hatte ich allerdings keine Lust gehabt, mich mit der Fettpresse unters Auto zu legen. Die Jungs dort machen das sehr schnell und günstig. Auch größere Sachen können dort erledigt werden, wie auch in anderen Werkstätten in Zagora.

Ich bin inzwischen sehr gerne in Zagora. Eine nette kleine Stadt am Rand der Wüste. Natürlich wird man immer mal wieder angequatscht, ob man nicht mal diesen oder jenen Laden besuchen möchte. Lehnt man freundlich ab, wird man auch in Ruhe gelassen. Außerdem hatte ich hier schon lustige Erlebnisse, von meiner Auspuffreparatur 2015, bis zu unserem überraschenden Besuch 2012 im Andenkenladen (wir wissen bis heute nicht, wie wir dort landen konnten). Nur zum Übernachten möchte ich nicht unbedingt in Zagora bleiben. Dafür ist es mir dort einfach zu laut. Die ganze Nacht kläffen irgendwelche Hunde und wenn die Hunde mal ruhig sind, dann legt der Muezzin los.

Von daher kann ich jedem Ruhesuchenden und jedem der gerne im Sand übernachtet nur empfehlen die 1,5 Stunden bis Mhamid weiter zu fahren. Direkt vor dem Ort liegt ein Dünenfeld. Hier kann sehr schön übernachtet werden und man wird auch in Ruhe gelassen. Es stellt sich sogar das Gefühl der Einsamkeit ein, obwohl der Ort natürlich nicht weit weg ist. Aber das Gefühl reicht meistens schon.

Dünen vor M'Hamid

Dünen vor M’Hamid

Sand unter den Reifen hat allerdings die Angewohnheit Autos festzuhalten, v.a. wenn der Fahrer den Luftdruck nicht ausreichend gesenkt hat. Interessanterweise sorgen in jedem Urlaub die ersten Meter im Sand dafür, dass sich jemand festfährt. Dieses Mal trifft es Jörn, im neuen Land Cruiser – alles neu, neues Auto, kein Diesel mehr sondern Benziner. Fährt sich komplett anders als gewohnt und plopp schon steht die Fuhre 🙂 . Nicht weiter dramatisch, ein bisschen geschaufelt, den Luftdruck in den Reifen korrigiert und mit Hilfe von zwei Mannstärken geht es rückwärts wieder raus aus dem selbst gegrabenen Loch.

Nach dem abendlichen Sportprogramm konnten wir in Ruhe den Sonnenuntergang genießen. Keine Wolke am Himmel, endlich kein Wind mehr und angenehme Temperaturen. So hatten wir uns das vorgestellt.

Kurze Zeit später bruzzelte schon das Abendessen auf dem Lagerfeuer und wir freuten uns auf die kommenden Erlebnisse.

Noch geschwind die Vorstellung der Reisegruppe: dieses Mal mit drei Fahrzeugen, Marlis und Jörn im Toyota Landcruiser GRJ7, Karo und Michael im Toyota Land Cruiser J15 und dem Autor im Nissan Patrol.

v.l.n.r. Michael, Karo, Stefan, Marlis und Jörn