Besuch auf Hiiumaa

Vor der estnischen Küste liegen neben einigen kleineren Inseln, Saaremaa und Hiiumaa. Hier finden sich jede Menge einsame Strandbuchten, Leuchttürme und viel Landschaft. Also eigentlich nicht groß unterschiedlich zum Festland.

Trotzdem wollten wir uns eine der Inseln anschauen und hatten uns für das etwas kleinere Hiiumaa entschieden. Im Gegensatz zu Saaremaa gibt es keine „größeren“ Ortschaften und insgesamt wirkt die Insel etwas ursprünglicher als die größere Schwester.

Die Überfahrt ist sehr unkompliziert, der Fährhafen ist in Rohuküla bei Haapsalu. Ja diese Ortsnamen 😉 – da könnte ich einen eigenen Beitrag zu verfassen. Häufig sind mehr Buchstaben drin, als erwartet und die Namen lassen sich auch nur schwierig merken. Nach drei Wochen ging es einigermaßen, jetzt beim schreiben des Berichts muss ich aber immer wieder nachschauen, wie die Schreibweise genau war (in der Hoffnung, dass es in Google Maps richtig steht).

Von Jaan Rebane – Eigenes Werk, CC0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=15459663

Zurück zur Überfahrt: In knapp einer Stunde bringt einen eine moderne Fähre rüber auf die Insel. Zu unserer Überraschung mit freiem (und schnellem) Wifi. Überall sind frei nutzbare Steckdosen verteilt – so stellt man sich das im Jahr 2017 vor. Überhaupt könnten wir uns in Deutschland, was freies Wifi angeht viel bei den Esten abschauen. Aber das ist ein anderes Thema.

Bei unserer Ankunft am 11. ist das Wetter noch etwas unterkühlt und windig. Sollte sich aber laut Wetterbericht für den nächsten Tag verbessern. Der Empfehlung eines Bekannten folgend fahren wir Richtung Westküste, dort soll im Wald ein schöner Platz liegen, mit dem definitiv nicht zu merkenden Namen „Kalda puhketalu Mangus“. Der Platz liegt auch schön, mir allerdings viel zu schattig. Erschwerend kommt hinzu, dass der Betreiber ein Stinkstiefel ist, der neben Hütten angeblich nur noch Platz für Zelte hat. Die armen Menschen, die hier ihre Zelte aufstellen, müssen sogar ihr Auto wegparken.

Zum Glück gibt es direkt neben dran einen sehr schönen Platz, auf dem man als Gast willkommen ist. Ein riesiges Areal, welches direkt bis zum Sandstrand reicht. Man kann sich seinen Platz frei aussuchen, wenn man mag also auch direkt hinter den flachen Dünen stehen. Außerdem steht man nicht mitten in einem Baum-Labyrinth, was ich definitiv bevorzuge. Dieser Platz hört nun auf den Namen „Randmäe puhkemaja“ – besser zu merken?

Wie versprochen wurde das Wetter am 12. deutlich besser. Es war sonnig und warm, so dass wir uns einen gemütlichen Tag auf der großen Wiese und am Strand machen konnten. Es gibt hier sogar eine ausgedehnte Disk-Golf Anlage, was ich zusammen mit Markus am nachmittag mal ausprobiert hatte. Definitiv nicht mein Sport! Was sehr schön ist, man bewegt sich in der Natur -allerdings haben wir auch viel Zeit damit verbracht die Scheiben wieder zu finden, die irgendwo ins Gehölz oder ins Moor geflogen sind. Kann man machen, muss man aber nicht 😉 .

Da Juli und beständiges Wetter inzwischen ein Widerspruch sind, regnete es folgerichtig am 13. morgens. Da wir sowieso weiter fahren wollten, war das nicht zu schlimm. Ein Blick auf die Wettervorhersage zeigte allerdings, dass das Regengebiet von Westen kam und wir auf Hiiumaa vermutlich am schnellsten die Sonne wiedersehen würden. Nach meiner Erfahrung zieht so ein Regengebiet über eine Insel auch immer schnell rüber.

Wir entschieden uns erstmal dafür, dem westlichsten Leuchtturm der Insel einen Besuch abzustatten. Danach wollte wir weitersehen. Am Leuchtturm angekommen ließ der Regen bereits nach und wir konnten die ersten blauen Flecken am Himmel sehen. Wie üblich bekommt  man beim hochlaufen auf solche Türme einen Drehwurm gratis, wird dann aber durch die tolle Aussicht auf die flache Umgebung belohnt.

Der nächste Blick in die Wettervorhersage bestätigte uns nochmal darin, einen weiteren Tag auf der Insel zu verbleiben. Die Entscheidung sollte sich letztendlich als richtig erweisen. Wir hatten den Rest des Tages wunderschönes Wetter und haben obendrein auch noch einen tollen freien Lagerplatz in einer Bucht gefunden. Wie bereits im Soomaa Nationalpark gibt es auch auf Hiiumaa diese freien RMK-Plätze. Eine Stelle für Lagerfeuer war vorhanden, Brennholz und sogar überdachte Bänke. Sowas ist doch echt ein Traum!

Ich hab die Zeit noch genutzt, für einen längeren Spaziergang durch den Wald. Abends gab es noch einen tollen Sonnenuntergang und unser Lagerfeuer brannte bis kurz vor 1 Uhr.

Im Laufe des Nachmittags kamen übrigens immer mehr weitere Gäste dazu, die den Platz für eine Übernachtung nutzten. Meistens Familien mit Kindern, die hier ihr Zelt aufgeschlagen haben. Immer mit genügend Abstand zum Nachbarn, man möchte sich ja nicht gegenseitig stören. Unter anderem war auch eine größere Jugendgruppe dabei, von denen bereits kurz vor Mitternacht, zu unserer Überraschung niemand mehr außerhalb der Zelte zu sehen war. Letztendlich bin ich das auch so aus den skandinavischen Ländern gewohnt, man versucht den Mitmenschen nicht zu stören und gleichzeitig genügend Platz zu lassen.

So ging unser dreitägiger Besuch auf Hiiumaa zu Ende. Hatte sich der Ausflug auf die Insel gelohnt. Ich finde schon! Das Wetter war in den Tagen definitiv besser als auf dem Festland und v.a. der letzte Übernachtungsplatz war einfach nur traumhaft. Landschaftlich gibt es allerdings keine erkennbaren Unterschiede zum Festland.

In den folgenden Tagen sind wir dann über Haapsalu zum Lahemaa Nationalpark gefahren. Mehr davon in den nächsten Berichten.

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  1. Pingback: Haapsalu - ein Eisenbahnmuseum und eine traurige Ruine - sgm-travel

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