Von der Lost City nach Tazzarine

Schon fast Gewohnheit, dass ich die ersten Sonnenstrahlen des Tages dazu genutzt hatte durch die Umgebung zu laufen, die Stille zu genießen und ein paar Fotos des beginnenden Tages zu machen.

Wir wollten am 13. bis nach Tazzarine kommen, was geschätzt ca. 150km Piste sind. Bei unserem Tagesschnitt von 20km/h (mit Pausen und anderen Unterbrechungen) sind das bummelig 7 Stunden zu fahren. Das mag jetzt einige überraschen, aber viel schneller kommt man selten vorwärts, wenn man nur Piste fährt. Ich brauche auch lieber eine Stunde länger bis zum Tagesziel, als es zu riskieren etwas kaputt zu fahren.

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Die ersten Kilometer sollte es die Piste wieder zurück gehen, die wir am Vortag gekommen waren. Ich wollte zu einem Abzweig zurück, der uns voraussichtlich ohne größere Navigationsprobleme in Richtung unseres Tagesziels führen würde. So hatte ich zumindest gedacht 😉 .

Auf der neuen Piste dann aber mal wieder der Klassiker. Eben bist du noch gut sichtbaren Spuren gefolgt, die im nächsten Moment im Nichts verschwinden. Dafür hatte sich dort, wo auf der Karte die Piste eingezeichnet ist, eine Horde Sicheldünen breit gemacht. Für mich ist das Teil des Erlebnisses, dass man damit immer wieder rechnen muss.

Die nächsten 30 Minuten verbrachte ich somit damit, einen Weg durch das Dünenlabyrinth zu finden und die Pistenspuren wiederzufinden. Am Ende des kleinen Dünenfeldes muss auch noch ein Oued durchquert werden, was auch nicht an jeder Stelle geht. Irgendwann waren die Spuren dann auch wieder sichtbar und wir bewegten uns weiter in die gewünschte Richtung.

In dieser Gegend sind fast nur Nomaden mit ihren alten Land Rovern oder Moppeds unterwegs. Andere Reisende trifft man hier so gut wie gar nicht. Ausnahme war eine Gruppe Endurofahrer, die uns im Laufe des Tages begegnete.

Im weiteren Verlauf kamen wir dann auf eine „Piste“, welche ich schon 2012 mit Florian mal gefahren war. Im wesentlichen handelt es sich um eine Ebene mit jeder Menge Spuren, die alle in unterschiedliche Richtungen führen. Man kann fast wie auf einem Schiff navigieren, in dem man sich einfach einen Punkt am Horizont setzt und darauf zu fährt. In der Mitte der Ebene durchquert man wiederum ein sandiges Oued, hinter dem einige Nomaden in Hütten leben. An die Kinder dort konnte ich mich noch aus 2012 erinnern, nur das diese jetzt halt 4 Jahre älter sind 🙂 . Ich werde das nie vergessen, wie uns die Drei abends besucht haben und uns beim Kochen zugeschaut haben.

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Bild aus März 2012

Direkt am Ende dieser Ebene befindet sich ein Aussichtspunkt, der einen schönen Überblick über die Landschaft bietet. Der Abstecher lohnt sich auf jeden Fall.

Nach dem Ausflug auf den Aussichtspunkt war schon nach 14 Uhr, also nur noch 3,5 Stunden Tageslicht. Keine Zeit mehr zu trödeln, denn ich wollte unbedingt in der Nähe von Tazzarine wieder im Camp Serdrar Station machen. Der Campingplatz/Auberge wird von einer Berberfamilie liebevoll geführt und gehört ohne Übertreibung zu den besten Plätzen, die ich in Marokko kenne. Die Sanitäranlagen haben europäischen Standard, es können neu errichtete Zimmer gemietet werden, die erst im letzten Jahr fertiggestellt wurden. Wie man auf der Facebook-Seite sehen kann, sind wir nicht die einzigen Gästen, die diesen Service zu schätzen wissen.

Davor waren noch einige Pistenkilometer zu bewältigen. Dadurch das ich unterwegs auf der Karte eine Abkürzung gefunden hatte, schafften wir es tatsächlich auch noch bis kurz nach 17 Uhr unser Ziel zu erreichen. Brahim der Chef vor Ort begrüßte uns direkt nach der Einfahrt. Er hatte unsere Reise bereits auf Facebook verfolgt und damit gerechnet, dass wir auch bei ihm vorbei fahren würden. Ist auch schön, wenn man gleich persönlich begrüßt wird, auch wenn es bereits 3 Jahre her war, dass ich das Letzte mal dort gewesen war.

Zusammen mit Nina bekam ich noch eine Führung durch die Gärten rund um die Anlage. Beeindruckend was hier alles mitten in der Wüste wächst und angepflanzt wird. Das leckere Abendessen ließen wir uns auch nicht entgehen – ich werde immer wieder gerne zurück kommen.