Rumänien 2014

Richtung Osten – die rumänischen Karpaten

Dieser Reisebericht wird im Gegensatz zu den meisten in den letzten Jahren kein „Live-Bericht“ sein, sondern von mir nachträglich verfasst. Ich wollte mir einfach mal zwei Wochen ohne Kontakt zur Außenwelt gönnen und war mir auch vorher unsicher, wie häufig ich in Rumänien in die Reichweite eines WLANs kommen würde.

Mit mir zusammen war Florian aus der Schweiz unterwegs. Wie bereits seit einigen Jahren, haben wir auch dieses Jahr wieder ein gemeinsames Zeitfenster gefunden, um einen Urlaub abseits geteerter Straßen zu erleben. Unser Ziel in diesem Jahr: die rumänischen Karpaten.

Da wir beide noch nie in Rumänien waren, haben wir diese erste Reise in den Osten auch als Scout-Tour angesehen. Es finden sich zwar viele Tracks und Wegbeschreibungen im Internet, aber wie gut sich diese fahren lassen, ob uns das überhaupt Spaß macht, dass sieht man erst, wenn man vor Ort ist.

Als Startpunkt hatten wir uns die Westkarpaten ausgesucht, genauer gesagt den Südrand des Apuseni-Nationalparks. So ging es am 23.09. bei grässlichem nassen Wetter los. Es regnet, hagelte und war kalt. Also genau so, wie man sich den Start in einen Urlaub nicht wünscht.
Auch unser Startpunkt bei Arieseni stellte sich als eher suboptimal heraus. Die Anfahrt über Ungarn ist viel zu langwierig und nervig. Besser wäre es gewesen, wir wären in Ungarn bis Szeged auf der Autobahn geblieben und dann über die Landstraße rüber nach Arad in Rumänien. Aber das gehört zu einer Scout-Tour dazu, dass einem sowas mal passieren kann. Beim nächsten Mal sind wir schlauer (und machen dann andere Fehler 😉 ).

Genug gejammert, jetzt mal zum Tagesbericht – wir wollten über den Muntele Bihor Richtung Süden fahren. Auf der Kuppe des Berges steht eine Sendestation, die man bei gutem Wetter wahrscheinlich schon lange vorher sehen kann. Wir hatten allerdings maximal 50 Meter Sichtweite, so dass wir die Sendestation erst erblickten, als wir fast davor standen. Was ich auch nur vermuten kann, von dort oben hat man bestimmt einen tollen Ausblick über die umliegenden Hügel. Kann ich aber nur vermuten.

Auf unseren Karten führt von der Bergkuppe ein doppelt gestrichelter Weg Richtung Südwesten weg. Doppelt gestrichelt heißt soviel wie: zweispuriger Weg. Kann also mit dem Auto befahren werden, der Zustand ist allerdings unbekannt. So kam es dann auch, dass wir zuerst den Einstieg mal suchen mussten, bei der geringen Sicht, war dieser nicht sofort zu sehen. Trotz des Nebels war allerdings sofort zu sehen, dass es verdammt steil nach unten gehen würde. Damit war dann auch klar, wenn man mal im Steilhang ist, wird man auch runter fahren müssen. Umkehren ist dann nicht mehr – und das alles bei 50 Metern Sicht (vielleicht war es auch weniger).

Florian ist dann zur Sicherheit einige Meter in die Abfahrt rein gelaufen und meinte „sollte gehen“.
Ihr kennt den Spruch mit dem Bergsteiger? Was waren seine letzten Worte? „Sollte halten“.
Da wir beide allerdings sehr ungerne umdrehen, sind wir dann trotzdem in die Abfahrt rein gefahren, die wirklich so steil war, wie wir vermutet hatten. Wobei eigentlich war sie sogar steiler als gedacht. Genauer: es war die steilste Abfahrt, die ich bis jetzt in meinem Leben mit einem Auto befahren habe.

Im ersten Gang, in der Untersetzung und mit eingelegter Hecksperre, ließ ich den Cruiser langsam den Berg runterrollen. War mal wieder eine tolle Erfahrung, wie locker der Wagen selbst solche Schwierigkeiten fährt. Man ist mehr oder weniger Passagier und gibt nur die Richtung vor, in die es gehen soll. Mit dem Sorento wäre das auf jeden Fall ein Himmelfahrtskommando gewesen. Der Toyota ist aber im ersten Gang so kurz übersetzt, dass ich bergab sogar an einigen Stellen etwas Gas geben musste, um nicht zu langsam zu werden (man will ja auch mal unten ankommen).

Endlich unten angekommen, immer noch neblig nasses Mistwetter, ging es weiter durch den rumänischen Wald. Sehr schöne Strecke, die zwar noch ein paar witzige Stellen bereit hielt, allerdings nichts vergleichbares mehr zu der initialen Abfahrt.

Irgendwann hatte uns die Zivilisation allerdings wieder und wir berieten kurz, wie es weiter gehen sollte. Das Wetter besserte sich allmählich, sogar die Sonne lugte mal kurz durch die Wolken. Trotzdem wollten wir bei so einem Wetter lieber einen der wenigen Campingplätze ansteuern. In der Nähe von Deva liegt so einer, der sogar von der Lage her perfekt war, um auf die geplanten Touren für die erste Woche zu gelangen. Leider war die Fahrt dorthin etwas nervig, da wir uns praktisch von Baustelle zu Baustelle bewegten. Viele Straßen in Rumänien verdienen ihren Namen leider nicht mehr wirklich und so wird an viele Stellen gebaut, ausgebessert, erweitert oder gleich neu gemacht.

Wir waren übrigens neben einem Engländer die einzigen Gäste dort, war halt Nachsaison. Für die folgenden Tage gelobte der Wetterbericht übrigens Besserung und so sahen wir doch recht zuversichtlich auf die kommenden Tage.

Noch eine Anmerkung zu den hier verwendeten Ortsnamen:
Ich kann leider nicht garantieren, dass diese immer richtig sind, bzw. richtig geschrieben sind, da sie von mir auch nur aus einer Karte abgelesen werden. Ob die Ortsnamen in der Karte immer korrekt sind, kann ich nicht garantieren und werde mir auch nicht die Mühe machen, diese nachzurecherchieren.