Marokko 2013

Durch den Cirque de Jaffar

Nachdem der Jeep heute früh wieder lief, wie der schon beschworene junge Gott, fassten wir nochmal Mut, dem Marokko Urlaub einen würdigen Abschluss zu geben. Nach etwas rumsuchen war uns klar, dass wir von unserer aktuellen Position am Besten den Cirque de Jaffar erreichen könnten. Den kennen wir zwar bereits aus dem letzten Jahr, aber er war uns als anspruchsvolle Tour in Erinnerung und es bestand ausserdem die Möglichkeit, nochmal im Outback zu übernachten.

Als Anfahrt hatten wir uns die Piste ab Midelt rausgesucht, die in einigen Pistenführern „als nicht befahrbar für größere Fahrzeuge“ beschrieben ist. Das hörte sich interessant an 😉 .
Midelt war vergleichsweise schnell erreicht und nach ein paar Kilometern fühlten wir uns schon wieder besser aufgehoben, auch wenn die Zivilisation hier nie weit entfernt ist. Gleichzeitig gehört diese Gegend des Atlas allerdings auch zu den Ärmsten in Marokko. Das fällt einem v.a. dann auf, wenn man aus den vergleichsweise wohlhabenden Oasenstädten kommt.

Wie sich herausstellte, war die Piste allerdings in einem besseren Zustand, als überall beschrieben. Anscheinend ist sie in großen Teil neu geschoben worden, Teile die abgebrochen waren, wurden neu abgestützt. Eine Befahrung auch mit einem Reise-LKW sollte momentan kein Problem darstellen.

Unterwegs trafen wir noch auf eine größere Gruppe MTB-Fahrer, die von einem marokkanischen Guide in einem Nissan Patrol begleitet wurden. Dieser erzählte uns, dass die Strecke durch den Cirque de Jaffar nicht mehr befahrbar sein sollte. Hörte sich interessant an – was von ihm wahrscheinlich als guter Ratschlag gemeint war, weckte gleich mal unseren Entdeckergeist 😉 . „Wie nicht mehr befahrbar, letztes Jahr war das doch nicht so wild“.

Einen ersten Hinweis auf den Zustand der „Piste“ bekamen wir allerdings schon an der Kreuzung – es waren noch Reste der alten geschobenen Piste erkennbar, die aber bald im Bachbett verschwanden. Also erst mal das Untersetzung rein und weiter – es wird bestimmt gleich besser werden 😉 .

Direkt bei der Anfahrt auf die Hüttenansammlung, die im Tal lag, kamen uns eine Frau mit Kind entgegen. Die übliche Nummer: Klamotten, Bonbons fürs Kind etc.. Man muss das auch verstehen, das sind einfach arme Schweine, die dort unten wohnen!

Was wir dann aber als nächstes sahen, machte uns doch etwas bedrückter. Die komplette Hüttenansammlung war verlassen – anscheinend hatte der Bachlauf, der die Piste weggeschwemmt hatte, auch das Tal unbewohnbar gemacht. Da fragt man sich natürlich schon, wo sind die alle hin und lebt die Familie am Taleingang jetzt wirklich alleine hier?

Für uns war die Weiterfahrt natürlich etwas angenehmer, weil niemand zum Betteln kam – allerdings fragt man sich nach dem Anblick der verlassenen Hütten schon, was einem lieber ist? Nach einigen Kilometern im Bachbett erreichten wir dann den Eingang zu bekannten Schlucht. Erst mal einen prüfenden Blick reingeworfen, sah etwas wilder aus, als im letzten Jahr, aber durchaus befahrbar. Also weiter – umdrehen ist eh nicht so unser Ding 😉 .

Was folgte war eine der anspruchvollsten Passagen, die ich in den letzten Jahren gefahren bin. Für mich mit dem Cruiser sicherlich anspruchsvoller, als für Florian mit dem kurzen Jeep. Aber wir haben es über alle Felsen, Engstellen und Gräben geschafft. Letztendlich war es für uns beide ein riesen Spaß!

Oberhalb des Tals suchten wir uns erst mal einen Lagerplatz. Auf der Fahrt dorthin trafen wir vermutlich auf eine der Familien, die früher im Tal gewohnt hatte. Die wohnen jetzt in einem behelfsmäßigen Zelt aus Plastikplanen 🙁 – und der Winter ist nicht mehr weit. Wahrscheinlich geht mir deswegen auch das Gesicht des kleinen Mädchens, das Angelaufen kam und von uns ein paar Süßigkeiten bekam, nicht mehr aus dem Kopf. Sie gefreut, als ob heute Weihnachten gewesen wäre, war sehr scheu und hat sich erst näher rangetraut, als wir ihr gewunken haben. Das sind dann so Erlebnisse die man noch länger mit sich rumtragen wird. Es ist klar, wir sind hier, weil wir Offroadfahren wollen. Dabei lassen wir auch jede Menge Geld im Land, also haben da einige was davon – allerdings solche Familien, die am untersten Ende der Gesellschaft leben, halt leider nicht. Zumindest haben wir dem kleinen Mädchen heute einen Moment spendiert, in dem sie sich freuen konnte – und das hat sie!

Morgen werden wir weiter nach Tanger fahren – das waren also vorerst unsere letzten Pistenkilometer gewesen 🙁 . Da der Jeep immer noch nicht 100%ig läuft, wären weitere Ausflüge einfach zu riskant.
Aus unserer Übernachtung im Outback ist übrigens auch nichts geworden. Das lag jetzt aber uns beiden – wir lamentierten eine Weile herum, dass das Licht nicht so sei, wie gewünscht (zum fotografieren) und das es heute Nacht auf 2000 Metern vermutlich sehr kalt werden würde 😉 . Also entschieden sich die beiden Weicheier dazu, auf den nächstgelegenen Campingplatz auszuweichen.