Albanien 2013

Durch die Alpen nach Thet

Der Kontrast könnte kaum größer sein, wenn man wie wir morgens an der Küste startet und abends in Thet auf 740 Metern ankommt, umgeben von Bergen über 2500 Meter hoch. Dazwischen lagen 7 Fahrstunden über größtenteils sehr schlechte Wegstrecken.

Wir hatten uns am Morgen dafür entschieden, die Piste zu nehmen, die direkt ab Shkoder weiter südlich nach Thet führt. Dadurch ergab sich für uns eine schöne Rundtour, denn auf dem Rückweg aus Thet wollen wir die Strecke nach Koplik nehmen, die inzwischen schon zum größten Teil asphaltiert ist.

Nachdem wir das Chaos von Shkoder überwunden hatten, ging es endlich wieder etwas einsamer in die Berge. Zuerst auf einer neuen Asphaltstraße, die nach einigen Kilometern in eine Schotterpiste übergeht. Diese Schotterpiste wird dann auch sehr schnell immer schlechter, so dass wir beide nach einiger Zeit nur noch in der Untersetzung weiterfahren. Notwendig wäre das nicht an allen Stellen, aber es fährt sich einfach angenehmer und man kann das Auto auch besser kontrollieren. Außerdem bin ich kein Fan davon, den ganzen Tag mit niedrigsten Drehzahlen den Motor zu quälen.

Als Entschädigung für die etwas anstrengende Route (die aber trotzdem Spaß gemacht hat), fährt man die ganze Zeit durch eine wunderschöne Landschaft. Es hatte sich für uns absolut gelohnt, die etwas schwierigere Anfahrt nach Thet zu nehmen.

Noch drei Geschichten vom Tag:

1. An der engsten Stelle der Piste kamen uns 5 Holzlaster entgegen. Nicht alle auf einmal, sondern nacheinander, war trotzdem spannend, auf einer einspurigen Piste einen LKW mit Holz beladen vorbei zulassen und dabei gleichzeitig nicht ein paar hundert Meter nach unten zu fliegen.

2. Nach einem Fotostopp (Familie Diesing war dadurch ca. 30 Minuten vor mir) hatte ich abends irgendwie den Zustand der Unterzuckerung erreicht 😉 . Auf jeden Fall wähnte ich mich in Höhe des Dörfchens Nderlysai bereits in Thet. Froh endlich am Ziel zu sein, bog ich ab ins Dorf, um kurz darauf festzustellen, dass ich völlig falsch war. Was folgte war ein verunglücktes Wendemanöver 😉 . Ein netter Albaner wollte mir eigentlich helfen, ich dachte mir aber zuerst, warum will der mich so kompliziert einweisen, wo doch die rechts direkt eine Zufahrt war, in die man zum Wenden hinein stoßen könnte. Zehn Sekunden später wusste ich, warum ich dort besser nicht rein gefahren wäre. Nachdem die Vorderachse bereits korrekt stand, machte es plötzlich im Bereich der Hinterachse RUMS und ich (bzw. der Cruiser) hing fest. Schöner Mist! Wie hier wieder raus kommen? Zuschauer hatte ich auch bereits 😉 . Zum Glück hat der Cruiser einer Hecksperre – eingelegt und vorsichtig im Rückwärtsgang aus der Misere raus. Dafür gab es dann auch Szenenapplaus der Zuschauer. Das restliche Wendemanöver in 20 Zügen war dann dagegen eher easy. Schäden am Cruiser? Zum Glück keine!

3. Endlich in Thet angekommen, werde ich in perfektem Englisch von Francesco (13 Jahre alt) auf der Brücke empfangen. „Your Friends are already her. Can I drive your Car to the camping ground? I’m a good driver 😉 .“
Nachdem ich den Wagen bereits 30 Minuten zuvor versenkt hatte, dachte ich mir „schlechter kann der auch nicht fahren“. Also das Steuer übergeben und Francesco (von mir Mr. Cool getauft) fuhr den Cruiser fast perfekt auf den Campingplatz. Ich musste ihm nur erklären, dass man zum losfahren besser die Handbremse löst.

Überhaupt passen zu Thet irgendwie alle Beschreibungen, die man in Reiseführern findet nicht mehr. Hier hat sich in den letzten Jahren anscheinend sehr viel getan und man hat schon den Eindruck, dass hier durch die Tourismus endlich auch Geld bei den Einwohnern ankommt. So standen wir z.b. auf einem komplett neuen Campingplatz, mit angeschlossener Herberge, die allerdings noch nicht ganz fertig war.

Morgen werden wir in Thet einen „Ruhetag“ einlegen und uns etwas die Umgebung anschauen (per pedes).