Erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Dieser Spruch trifft zumindest auf den Vormittag zu. Aber erstmal begann alles ganz harmlos. Aufwachen im Jachthafen bei wunderschönem Wetter. Das Wasser ganz ruhig, so dass sich die Boote spiegelten. Hat mir bei der Morgenrunde mit Juno sehr gut gefallen.
Für den heutigen Tag wollten wir weiter nach Tarifa, dort kurz durch die Stadt laufen und dann schonmal Richtung Sevilla fahren, so dass wir uns am kommenden Tag in Ruhe die Stadt anschauen könnten.

Nach Tarifa geht es eigentlich von La Linea auf einer sehr gut ausgebauten Straße, an Algeciras vorbei. Ich hatte allerdings auf Wikiloc eine alternative Route gefunden, immer an der Küste entlang, mit Türmen und so. Klang vielversprechend.
Also kurz hinter Algeciras links ab auf eine Nebenstraße, die uns zuerst durch die Vororte führte. Irgendwann ging es dann rechts ab, auf eine schmale aber noch asphaltierte Straße. Unsere Laune war gut, wir freuten uns auf Ausblicke auf das Mittelmeer.
Vor uns noch ein kleiner BMW X1, der hier natürlich deutlich mehr Platz hatte, aber auch nicht wirklich schneller war. Tja und dann hält der plötzlich an. Ich frage mich kurz warum, bis ich das große Loch in der Straße erblicke. Verdammt!

Der BMW dreht auf der schmalen Straße, für ihn kein Problem. Für uns schon! Umdrehen ist unmöglich. Während wir so unsere Optionen bedenken, kommt von oben, also von der anderen Seite des Lochs ein Landcruiser der spanischen Polizei angeschossen. Umfährt relativ flott das Loch - halb am Hang - bleibt bei uns stehen, macht das Fenster runter und was folgte war ein Redeschwall. Fenster wieder hoch und weg war er.
Ähh? Ich schaue nur fragend Karen an, die etwas Spanisch spricht. Aber auch sie meint, sie hätte kein Wort verstanden. Was auch immer er uns sagen wollte, wird auf alle Ewigkeiten für uns unklar bleiben.
Kurz überlegt, können wir an dem Loch vorbeifahren, wie der Landcruiser? Vielleicht, aber was ist, wenn kurz danach das nächste Loch kommt? Außerdem ist es das Risiko wert? Wohl eher nicht! Können wir drehen? Nein!
Also bleibt nur rückwärts wieder die komplette Strecke zurück. So fahre ich dann die kommenden 20 Minuten den Sprinter die kurvige Straße rückwärts zurück. Das war kein Spaß und erforderte höhere Konzentration, da man es einfach nicht gewohnt ist, solange rückwärts zu fahren.
Ich überlege schon, ob ich wirklich die komplette Strecke rückwärts fahren muss, als endlich eine Möglichkeit kam, eine Zufahrt zu einer Weide zum drehen zu nutzen. Dafür mussten wir den Stacheldrahtzaun kurz aus dem Weg räumen, den Sprinter drehen und danach natürlich den Zaun wieder in Position bringen.
Puh! Geschafft!
Das war auf jeden Fall genug Abenteuer für heute. Also doch lieber auf der Hauptstraße nach Tarifa. Wie üblich existieren von diesem kleinen Abenteuer nur die beiden hier eingefügten Bilder.
Dort machen wir mal wieder einen Rundgang durch die Altstadt und erfreuen uns an den vielen kleinen Gassen. Ein Besuch am Hafen muss natürlich auch sein, inklusive dem sehnsuchtsvollen Blick Richtung Marokko.

Tarifa ist eine alte Hafenstadt und war früher eine Festung – kein Wunder an dieser strategisch wichtigen Stelle, wo Mittelmeer und Atlantik aufeinandertreffen. Gegründet wurde sie um 960 von den Mauren, und ihren Namen verdankt sie dem Berber-Feldherrn Tarif ibn Malik. Ein bisschen von dieser langen Geschichte spürt man noch heute in den engen Gassen: Alles wirkt etwas rustikaler, aber genau das macht den besonderen Charme des Ortes aus.

Nach einem Eis geht es weiter Richtung Sevilla. Wir suchen uns östlich von Sevilla einen kleinen Stellplatz aus, der am Rande der Kleinstadt Arahal liegt. Völlig ausreichend für uns. Wir können mit dem Hund noch eine Runde drehen und bekommen zum Abschluss des Tages sogar noch ein Bier in der angrenzenden Bar.

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