Mehrfach sind wir bereits an Granada vorbeigefahren, ohne uns die Stadt tatsächlich anzusehen. Entweder reichte die Zeit nicht aus oder wir waren gerade auf dem Weg nach Marokko und hatten andere Ziele im Kopf.
Dieses Jahr sollte es nun endlich klappen.
Da unsere Freunde wenig Begeisterung für eine Stadttour entwickeln konnten, machten wir uns alleine vom Campingplatz auf den Weg. Die Verabredung war einfach: Nach unserem Rundgang melden wir uns und treffen uns später irgendwo zwischen Granada und Ronda wieder.
In Granada steuerten wir direkt den großen Parkplatz oberhalb der Alhambra an.
Wobei – Moment. Eigentlich hatte Karen einen deutlich besseren und stadtnäheren Parkplatz gefunden. Ich war nur zu talentfrei gewesen, genau diesen Parkplatz anzusteuern. Nach einer ungeplanten Ehrenrunde durch Granada entschieden wir uns daher für die komfortable, aber nicht ganz günstige Variante direkt an der Alhambra.
Rückblickend war das eine gute Entscheidung. Auf dem Parkplatz darf nämlich auch übernachtet werden. Nicht gerade zum Schnäppchenpreis, aber wer bereits am Vorabend anreist, steht morgens direkt am Startpunkt für die Stadtbesichtigung.
Jetzt zur großen Preisfrage:
Waren wir in der Alhambra?
Nein.
Dafür gab es gleich zwei Gründe. Erstens sind Hunde dort nicht erlaubt, was durchaus nachvollziehbar ist. Zweitens müssen die Tickets häufig mehrere Wochen im Voraus gebucht werden. So organisiert reisen wir normalerweise nicht. Der Besuch steht aber bereits auf der Liste für einen zukünftigen Spanien-Trip. Erstens wird der Hund leider nicht ewig leben und zweitens müssen wir unsere Route dann eben einmal nach einem festen Termin ausrichten.
Also ging es zu Fuß los.
Bevor wir die Altstadt erkunden wollten, stand zunächst ein Blick auf die Alhambra selbst auf dem Programm. Der nächste Aussichtspunkt war schnell erreicht und der Abstecher lohnte sich. Die Anlage ist wirklich beeindruckend und dominiert die gesamte Umgebung.

Anschließend sollte es direkt ins Albaicín gehen, den ältesten Stadtteil Granadas.
Also machten wir das, was man heutzutage eben macht: Google fragen.
Rückblickend betrachtet war das vielleicht nicht die beste Idee.
Google erklärte uns voller Zuversicht, dass wir einfach in hundert Metern an einem alten Wachturm vorbeigehen, den Hang hinunterlaufen und schon fast am Ziel wären.
In der Realität war der Wachturm samt Umgebung abgesperrt. Und selbst wenn er es nicht gewesen wäre: Einen Weg gab es dort schlicht nicht.
Aber so schnell geben wir nicht auf.
Zurückgehen? Keine Option.
Aus heutiger Sicht wäre genau das vermutlich die schnellste Lösung gewesen.
Stattdessen folgten wir einem schönen Wanderweg durch einen Pinienwald. Das Wetter war hervorragend, die Stimmung ebenfalls. Zahlreiche Einheimische kamen uns sportlich entgegen.
Das einzige Problem: Wir entfernten uns gefühlt genauso schnell von der Innenstadt, wie wir uns ihr eigentlich nähern wollten.
Dann kam Karen.
An einer Wegbiegung zeigte sie plötzlich auf einen kleinen Trampelpfad und sagte die verhängnisvollen Worte:
„Da ist doch eine Abkürzung."
Bevor ich protestieren konnte, marschierte sie bereits in Flipflops den Hang hinunter wie eine Bergziege auf Koffein.
Wie war das noch mit berühmten letzten Worten?
Mit einem eher mäßigen Gefühl im Bauch stolperte ich hinterher. Der Hund hingegen verstand das Problem nicht. Nachdem ich sie von der Leine gelassen hatte, bewegte sie sich deutlich eleganter durch das Gelände als ihre menschliche Begleitung.
Natürlich kam es, wie es kommen musste.
Der Trampelpfad endete direkt vor einem kleinen Pumpenhaus, das sich an den Berghang schmiegte.
Sackgasse.
Eigentlich.
Doch offenbar lautete das Tagesmotto inzwischen: „Umdrehen ist keine Option."
Karen war jedenfalls überzeugt:
„Hier kommen wir weiter!"
Wenige Minuten später standen wir tatsächlich auf dem Dach des Pumpenhauses und blickten auf eine Treppe, die zu einem richtigen Weg führte. Einem Weg, der auch tatsächlich wie ein Weg aussah und nicht wie etwas, das normalerweise nur von Ziegen benutzt wird.
Ein letztes Hindernis gab es allerdings noch.
Zwischen uns und der Treppe lag eine etwa 1,50 Meter hohe Stufe.
Für uns kein großes Problem.
Für den Hund schon eher.
Zum Glück trug Juno ihr Geschirr. Also wurde sie kurzerhand daran festgehalten und vorsichtig heruntergelassen.

Mission erfolgreich abgeschlossen.
Und tatsächlich: Der Weg führte endlich in die Innenstadt.
Rund zwanzig Minuten später standen wir am Mirador de San Nicolás. Von hier aus hat man vermutlich den schönsten Blick auf die Alhambra – und das völlig kostenlos.


Nach so viel Abenteuer musste erstmal Verpflegung her.
Direkt neben dem Mirador fanden wir ein marokkanisches Restaurant – was auch sonst. Dort stärkten wir uns mit einer kleinen Tajines, bevor wir unsere Erkundungstour fortsetzten.

Anschließend schlenderten wir durch die Altstadt und waren ehrlich überrascht. Granada gilt eigentlich als ausgesprochen touristisch, doch davon merkten wir kaum etwas.
Erst später wurde uns klar, warum.
Wir hatten es offenbar geschafft, konsequent jede touristische Hauptroute zu vermeiden und stattdessen immer die kleinen Gassen zu wählen, in denen kaum jemand unterwegs war. Nicht geplant, aber durchaus angenehm.

Der Rückweg zum Parkplatz führte schließlich durch den Park der Alhambra. Mitten in der Stadt erstreckt sich hier ein wunderschöner Wald, der sofort für angenehmere Temperaturen sorgt.
Nach knapp fünf Stunden erreichten wir wieder den Sprinter.
Ich bin mir ziemlich sicher, dass sich von uns dreien Juno am meisten über dessen Anblick gefreut hat. Mit ihren 13 Jahren hat sie die Tour aber wirklich hervorragend gemeistert.
Der wichtigste Tipp bleibt daher: Immer ausreichend Wasser für den Hund dabeihaben.
Während wir durch Granada spaziert waren, hatten unsere Freunde bereits einige Kilometer zurückgelegt und nordwestlich von Málaga an einem Stausee einen schönen Übernachtungsplatz gefunden.
Etwa zwei Stunden später trafen auch wir dort ein – nicht ohne unterwegs mehrfach begeistert aus dem Fenster zu schauen. Die Landschaft in dieser Ecke Andalusiens hat uns wirklich beeindruckt.

Hier müssen wir definitiv noch einmal herkommen und der Region deutlich mehr Zeit widmen.
Weiter geht es im nächsten Teil. Es wird wieder etwas abenteuerlicher – allerdings ganz ohne Pumpenhäuser und Ziegentrampelpfade.
