Patrol: Oil Catch Can

Achtung jetzt wird es etwas technisch 😉 . „Oil Catch Can“ was ist das? – Wird sich jetzt der eine oder andere fragen. Einfach ausgedrückt handelt es sich um einen Ölabscheider, der das Öl welches aus der Kurbelgehäuseentlüftung rauskommt abscheidet.

Fangen wir mal vorne an: Kurbelgehäuseentlüftung – hier werden die Blow-By-Gase, welche bei der Verbrennung entstehen aus dem Kurbelgehäuse abgeleitet (sehr gut und ausführlich auf kfz-tech.de erklärt). Es liegt in der Natur der Sache, dass diese Gase nicht nur u.a Wassernebel enthalten, sondern auch immer etwas Öl. Früher wurde sowas einfach offen in die Umwelt geblasen. Seit den 80ern werden diese Gase wieder zurück in den Verbennungsprozess geführt, wodurch das ausgeblasene Öl verbrannt wird.

Beim Nissan Diesel im Patrol werden die Gase direkt in den Ansaugtrakt zurückgeführt. Über Turbolader und Ladeluftkühler (LLK) landen sie dann im Brennraum. Wahrscheinlich eine übliche Konfiguration, nur hatte ich mich noch bei keinem anderen Auto damit beschäftigt.

Es handelt sich hier nicht um große Mengen Öl. Im Normalfall wird der Autobesitzer diesen Verbrennungsprozess nicht bemerken. Einzige Ausnahme: ihr seid längere Zeit mit Schubabschaltung einen Gebirgspass runter gefahren. Dann sammelt sich mehr Öl als sonst im Turbolader, welches dann verbrannt wird, wenn man das nächste Mal Gas geben muss. Zu sehen am blauen Rauch aus dem Auspuff, der schnell wieder verschwindet. Achtet mal darauf, wenn ihr einen Turbodiesel fahrt.

Im folgenden Video sehr schön zu sehen, was ein 3-Liter-Diesel so an Blow-By-Gasen rausdrückt.

Das erste Mal mit dem Thema beschäftigt hatte ich mich kurz nachdem ich den Patrol 2015 gekauft hatte, als mir aufgefallen war, dass der Ausgang des LLK mit Öl verschmiert war. Ursache war eine gelockerte Schlauchschelle welche schnell wieder befestigt war. Das war das erste Mal, dass ich mich gefragt habe, „was hat eigentlich das Öl im LLK zu suchen?“

Das nächste Mal war dann im selben Jahr während der Marokko-Reise, als ich den Luftfilter kontrolliert habe. Dieser war außen etwas ölig – nicht viel aber sichtbar. Auch hier wieder die Frage: “ was soll das? Macht das Sinn?“. Je länger ich mich mit dem Thema beschäftigt habe, desto mehr setzte sich der Gedanke fest „das Zeugs muss weg“. Obwohl der Motor bereits serienmäßig einen Ölabscheider vor der Entlüftung besitzt, ist anscheinend immer noch genügend Öl in den Blow-By-Gasen, um im Laufe der Zeit nicht nur den Luftfilter, sondern auch den Turbolader und den LLK zu verölen. Auf kfz-tech.de ist die Funktionsweise der Ölnebelabscheidung erklärt.

Wie dann so ein Motor ohne Catch-Can nach vielen Jahren und einigen Kilometern auf der Uhr aussieht, zeigen die Kollegen von Berrima Diesel in diesem Video.

Zum Glück gibt es für das Problem bereits eine Lösung, eine sogenannte Oil-Catch-Can. Interessanterweise rüsten in Australien sehr viele Besitzer solch eine Oil-Catch-Can nach. Bin ich also nicht der einzige 😉 . Es gibt Kollegen in Down-Under, die sich solche eine Catch-Can selber bauen, wie von einem User auf patrol4x4.com beschrieben (Seite 50 im Nissan Patrol Reference Document).
Es gibt aber auch fertige Lösungen, die eigentlich für Baumaschinen konstruiert sind. Eine hört auf den Namen Provent und wird vom deutschen Filterspezialisten Mann+Hummel in Deutschland hergestellt. Die Funktionsweise wird in folgendem Video erklärt.

Sollte also nicht zu schwierig zu bekommen sein, denn wird ja hier in Süddeutschland produziert. Zu meiner Verwunderung war allerdings der für mich passende Provent 200 bei keinem deutschen Händler zu einem akzeptablen Preis oder mit akzeptabler Lieferzeit zu bekommen. So hab ich dann über ebay zwei von den Dingern (einen für mich, einen für einen Kumpel) bei Sydney-Filter in Australien bestellt. Die Kollegen in Sydney haben sowohl Preis als auch die Lieferzeit der deutschen Konkurrenz geschlagen. Darf man nicht zu lange drüber nachdenken, welche Reise die beiden Filter hinter sich hatten, als sie bei mir angekommen sind 😉 .

Vor zwei Wochen hab ich es dann endlich geschafft, meinen Freund Sebastian in der Nähe von München zu besuchen. Einige Stunden später war der Provent 200 eingebaut und verrichtet jetzt seinen Dienst. War nicht ganz einfach für das Teil Platz zu schaffen, da die Standheizung im Weg war und irgendwie der Motorraum vom Patrol ein Chaos-Ort von hunderten Schläuchen ist. Wir mussten die Standheizung etwas versetzen und ein Montageblech basteln. Da passende Schläuche auch Mangelware waren, mussten wir etwas stückeln, zum Glück hatte ich genügend viele Schlauchverbinder dabei. Ich werde nach meinem Urlaub im August die gestückelten Schläuche noch durch Silikonschläuche ersetzen.

Im folgenden Foto sieht man das Filterelement, welches beim Einbau noch blütenweiß war. Ist jetzt seit ca. zwei Wochen eingebaut und seitdem ungefähr 1000km gefahren worden. Ich werde nach der Tour ins Baltikum Ende Juli noch mal ein aktuelles Foto machen, als Vergleich.

Wer auch Interesse an solchen oder ähnlichen Einbauten hat, darf sich gerne an Sebastian Frys in Isen bei München wenden. https://fourwheeldriveparts1.jimdo.com/

Sollte jemandem in dem Artikel ein Fehler auffallen, dann schreibt es bitte in die Kommentare unten. Letztendlich bin ich auch nur interessierter Laie 🙂 .

3 Kommentare

  1. Es wäre schön gewesen, wenn du den Bericht auch zu Ende geschrieben hättest, denn das ist ja nur die halbe Einbauanleitung.

    Wo lässt du das Öl denn hinlaufen, das Weisse im Provent ist ja nur ein Filter, aber das Provent hat ja unten eine Öffnung, wo das Öl wieder herausläuft.

    Hast du unten nur ein Stück Schlauch mit einem Ventil zum ablassen des Öls (was ja nicht ganz legal wäre) oder führst du es zurück? Dazu müsstest du es aber in die Ölwanne leiten, und zwar zum tiefsten Punkt, da das Öl sonst durch den Schlauch nach oben steigt und dir den kompletten Motorraum verölt. Oder hast du das Rückschlagventil mit eingebaut?

    Bitte berichte doch mal weiter, damit der Leser diesen Einbau auch nachvollziehen und als vollwertige Anleitung nutzen kann.

    Danke.

    • Hallo Marc – danke für deinen Hinweis, dass hatte ich in der Tat vergessen zu erwähnen.
      Das überschüssige Öl (hört sich dramatischer an als es ist, sind nämlich nur verschwindend kleine Mengen) würde durch einen Schlauch nach vorne in den Stoßfänger geführt und könnte dort über ein Ventil abgezapft werden. Bisher ist an dem unteren Ende noch nichts angekommen, von daher sehe ich das als unproblematisch an.
      Identisch werden diese Oil-Catch-Cans in Australien verbaut. Die Rückführung in die Ölwanne wäre natürlich die 100%-Lösung, allerdings bei einem Auto viel zu aufwendig. Bei einer Baumaschine dürfte das einfacher sein.

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