Rumänien 2014

Richtung Westen

Das erste Mal bin ich nach einer wunderbar ruhigen Nacht kurz vor 7 aufgewacht – schnell mal das Dachzelt aufgemacht und den wunderschönen Sonnenaufgang bewundert. Zum aufstehen war ich noch etwas zu faul, zum Glück hat aber Florian ein paar Fotos gemacht. Es gibt kaum etwas schöneres, als so einen Sonnenaufgang mitten in den Bergen bewundern zu dürfen. Wir hatten uns doch gestern den richtigen Platz ausgesucht, die Abendsonne war schon sehr lange geblieben und jetzt hatten wir auch gleich wieder die ersten Sonnenstrahlen des Tages. Nach der kalten Nacht sehr schön.

Für den Tagesplan hatten wir zwei „Probleme“ zu lösen. Problem #1: unsere Vorräte waren etwas knapp, v.a. Trinkwasser und Brot fehlte. Eigentlich nichts dramatisches, allerdings sah es so aus, dass wenn wir weiter durch die Pampa Richtung Westen fahren würden, erstmal keine Ortschaft zu erwarten sei. Zwei Tage vorher waren wir in Petrosani gewesen, da war allerdings Sonntag und alles geschlossen. Schade!

Problem #2: die Wettervorhersage meinte, wir hätten noch zwei schöne Tage, dann würde ein Regengebiet kommen. Da die Vorhersage bis jetzt immer gestimmt hatte, haben wir uns auch auf sie verlassen.

Klar war, wir müssen uns so langsam Richtung Westen orientieren, denn Donnerstag oder spätestens Freitag wollten wir an der ungarischen Grenze sein. Damit war das erste logische Zwischenziel klar, wir müssen nach Petrosani zurückfahren, denn dort waren wir uns sicher, dass es mehrere Supermärkte gibt. Damit die „Rückfahrt“ nach Petrosani aber nicht zu langweilig wird, sind wir natürlich eine andere Strecke gefahren, als in den letzten beiden Tagen. Diese hatte auch wieder die eine oder andere Überraschung für uns bereit.

Ein paar Kilometer zurück hatten wir am Tag vorher einen Abzweig ins Tal runter gesehen, den wollten wir für die Rückfahrt nehmen. Das im Tal eine Piste ist, war klar, denn diese war in unseren Karten eingezeichnet, der Weg dazwischen nicht. Aber das ist noch keine Hinderungsgrund – wir sind nicht in Deutschland, wo jeder Trampelpfad vermessen wird 😉 .

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Der Einstieg war schnell gefunden und damit ging es mal wieder bergab. Links vom Weg ein Berghof, sah bewohnt aus. Dazwischen noch eine Schafherde, bewacht von aufmerksamen Hütehunden, die uns auch erfolgreich vertrieben haben (aus ihrer Sicht 😉 ). Es war zumindest so breit, dass es mit dem Auto befahrbar war, die paar größeren Steine störten nicht wirklich. Irgendwann ging es dann links in den Wald runter und war gut zu sehen, dass hier mal Holz gemacht worden war. Das muss allerdings schon etwas länger her gewesen sein, denn der Weg war komplett mit Gras bewachsen.

Nach ca. 500 Metern hör ich dann über Funk „hier geht’s nicht weiter“. WTF?
Da lag doch tatsächlich eine riesige Baumwurzel mitten auf dem Weg. So von der Größe „lässt sich nicht wegtragen“. Mit einer Winde hätte man sie vielleicht wegschaffen können, haben wir aber nicht und bisher auch nicht gebraucht. Jetzt gibt es zwei Möglichkeiten um wieder zurück zu fahren. Erstens wenden, zweitens die 500 Meter rückwärts den Berg wieder rauffahren.

Wenden war nicht, wir haben es wirklich versucht, aber wenn der Weg schmaler als das Auto lang ist, dann funktioniert das einfach nicht. Es funktioniert vielleicht, wenn man nicht rechts einen Abhang und links einen Steilhang hat. Also Plan B – rückwärts die 500 Meter fahren. Nun sind das aber keine 500 Meter auf einer asphaltierten Straße, sondern 500 Meter Offroad, auf einer Waldpiste voller Steine und Äste, die nur wenig breiter als das Auto ist. Irgendwie eklig, außerdem sieht man durch die Rückspiegel einfach nicht so gut, wie durch die Windschutzscheibe 😉 .

Gefühlt hat es eine Ewigkeit gedauert, bis ich oben wieder angekommen bin. Ging eigentlich ganz gut, man muss sich nur Zeit lassen und darf nicht hektisch werden (und nicht zuviel lenken). Zurück oben fiel mir dann sofort eine Abfahrt linker Hand ins Auge, die sogar sehr gut gepflegt aussah. Die hatte ich 30 Minuten vorher nicht bemerkt, weil wir irgendwie nur nach links geschaut hatten. Manchmal schon komisch, wie einem sowas nicht auffallen kann. Wie auch immer, so hatten wir doch noch eine schöne Abfahrt ins Tal gefunden, ohne störende Wurzel.

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In Petrosani dann gleich mal zum Penny und die Vorräte ergänzt. Danach stand dann erst mal eine Asphaltetappe auf dem Plan. Wir wollten von Petrosani bis nach Hateg fahren und dort dann wieder zurück in die Pampa zu kommen. Zu unserer Überraschung führte die komplette Strecke über eine neue Straße, die sich wunderbar fahren ließ. War auch mal wieder schön, so ohne geklappere zu fahren.

In Hateg hätten wir übrigens auch hervorragend einkaufen können, war der Umweg über Petrosani also eigentlich unnötig gewesen. Aber das konnten wir vorher nicht wissen, nächstes mal bin ich schlauer und besorge mir die Adressen aller Aldi, Lidl und Penny Märkte in Rumänien. Für Marokko hab ich z.B. alle Supermärkte im Navi, was für die Planung schon sehr praktisch ist.

Aber uns zog es wieder zurück in die Berge. Zuerst auf einen kleinen Hügel mit Sendeturm, von dort wieder runter zu einem kleinen Dorf mit dem Namen Rachitova. Kurz vor dem Dorf hab ich erstmal gedacht, wir mal wieder in einer Sackgasse gelandet, denn der Weg endete mitten im Dorfbach. Nach einigen Sekunden hab ich dann aber die Ausfahrt ca. 50 Meter links aus dem Bach gesehen. Sowas kann einem eigentlich auch nur hier passieren 😉 . 100 Meter weiter standen wir dann auch fast auf dem Dorfhauptplatz – was für ein Spaß.

Die restliche Strecke sollte uns nur noch zu unserem angepeilten Übernachtungsplatz auf einem Hügel führen. Wieder mal ein wunderschöner Platz, nicht ganz so hoch wie in den letzten Tagen, aber wieder mal mit jeder Menge Feuerholz und einer schönen Aussicht.